Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
181
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Zweyter Abschnitt. i8r

welcher das ganze Gebäude der christlichen Religionruhel! Die Irrgläubigsten selbst müssen sie annehmen,obgleich ihre Irrthümer diese Wahrheit nicht brau»chen. Niemand waget e6, sie in Zweifel zu ziehen,da sie doch dem Zusammenhange irriger Lehrsähemehr widerstreitet, als daß sie dieselben befesti-gen sollte.

Außer diesem Irrthume behaupteten sie, daß dasmosaische Gesetz von allen Menschen, wenn sie seligwerden wollten, ganz beobachtet werden müßte; sienahmen nicht einmal, wie die Nazaraer, die Sahun-gen der Pharisäer aus. Sie lassen sich beschnei- /-'c^m/.?.den, sage: Ircnaus, und bleiben bey den Ge- ^ ^'ivobnbeiren des Gesetzes, und bey dem Cha-rakter der jüdischen Lebensart. Wie sehr siean den Gebräuchen ihrer Vorfahren gehangen ha-ben müssen, das beweiset eben dieser Irenaus ausihrer Gewohnheit zu bethen. Sie berben Jerusa-lem an, saget er, weil es das «saus Gorces ist.Der lateinische Uebersetzer des Irenaus hat ohneZweifel das Griechische allzu buchstäblich ausgedrückt.Das mosaische Gesetz untersagte alle Anbethung derCeeaturen, und also ist es nicht wahrscheinlich, daßsie Jerusalem angebethet haben sollten. Allein, dieJuden hatten die Gewohnheit, allezeit ihr Gesicht,wenn sie betheten, gegen den Tempel zu kehren. Manwird sich also nicht wundern, wenn von den Ebio-niten erzählet wird, daß sie den Apostel PauluS einen Abtrünnigen vom Gesetze genannt haben.Sie unterschieden sich auch darinnen von den Naza--räern, als welche doch noch eine große Hochachtungfür den Apostel Paulus bezeugeten. Die Ursache die-ses Hasses ist leicht zu begreifen, wenn man erwägt,

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