?84 Geschichte der christlichen Religion.
wahr, daß sie zwischen ihren Lehren und den Lehrendeö Christenihuinö einen unendlichen Unterschied sin-den mußten, so bald sie beyde aufmerksam und un-parteyisch mit einander verglichen. Allein, wennstellt der Mensch, der eine hartnackige Liebe gegenseine Vorurtheile hat, eine so unparteyische Ver-gleichung an? Die Gnostiker durften, da sie einmalvon ihrer Weisheit so erhabene Begriffe hatten, janur annehmen, daß die Apostel nicht fähig genuggewesen waren, in den wahren, aber tiefen Verstandalles dessen einzudringen, was Jesus gelehret hatte:so waren alle Schwierigkeiten überwunden. Sieselbst glaubten, so fähig und erleuchtet zu seyn. Da-her baueten sie ein System über das andere auf,die Lehren des Christenthums mir den ihrigen zu ver-einigen; ein unmögliches Unternehmen, da Licht undFinsterniß nie mit einander vereiniget werden können.
Jedoch eben diefe Weisheit, die so geschickt war,die christliche Religion zu verfälschen, mußte aucheinigen zu Waffen wider dieselbe dienen. Simon,der Zauberer, und Nlenander sind zur Unsterblich-keit ihrer Namen gekommen, weil sie durch die Hülfe,die sie bey den gnostischen Irrthümern suchten, dasEvangelium bestritten. Das Glück, mit welchemsich die Lehren der Apostel ausbreiteten, machte sieeifersüchtig, und ohne Zweifel beredeten sie sich, daßsie Häupter großer Seccen werden könnten, wofernsie zu einem solchen Unternehmen nur Verwegenheitund einen Unsinn besäßen, der so scheinbar wäre, daßer wie die Vernunft aussähe. Zum Unglücke fürsie selbst, und für andere, die sich von ihnen hinter-gehen ließen, fehlete es ihnen weder an Eitelkeit,noch an Verschlagenheit des Verstandes. Beyde
setzten