Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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254 Geschichte der christlichen Religion.

Ungläubigen hatten sehr oft recht; sie irrsten nurdarinnen, daß sie diejenigen, welche den Namender Christen misbrauchten, nicht von denen abzu-sondernwußten, welche sich dieses Namens würdigmachten. Verdienten die Bastlldianer, Sarur-nianer, und andere Gnostiker, weiche die Magiefür ein Geschenk der Gottheit hielten, Betrüger undZauberer genannt zu werden, und was waren dieschwermüthigen und milzsüchtigen unter den gnosti-sehen Secten, welche offenbar lehreten, daß mmseinen Körper durch freywillige Quaalcn zerstörenmüßte, wenn man vollkommen werden wollte; waswaren die N?arcioniren, was waren die Nlonta-nisten, als Selbstmörder, als parabolarii, undVerzweifelte, zumal wenn sie den Tod aufsuchten,und sich in die gewaltthätigen Hände der Heiden, ihrerVerfolger, selbst überlieferten?

Die Heiden warfen den Christen schändliche Ge-heimnisse vor. Sie nannten sie Feinde der Tugend undder guten Sitten. Die Rechtgläubigen konnten sichwider dergleichen Vorwürfe schützen. Die unverfälsch-te Religion Jesu Christi foderte von ihren Bekennen«die strengste Heiligkeit der Sitten. Die wahre Kir-che hatte auch sehr viele Beyspiele der erhabenstenTugenden aufzuzeigen. Die ersten Christen warenwegen ihres heiligen Wandels berühmt. Man kennetdie vortheilhafte Beschreibung, welche Plinius , derJüngere, ein Feind des christlichen Glaubens, dener einen Aberglauben nannte, von der Unschuld derChristen gemacht hat. Allein, die VAkolaiten, dieCarpokrarianer und andere Gnostiker, die einesehr wollüstige und schandliche Sittenlehre hatten,?M»,ten sich auch Christen. Darf man sich wun-dern,