Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
403
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Zweyter Abschnitt.

mm würden, auch nur die kleinste Veränderung hät-ten vornehmen wollen. Allein man nehme einmaletwas Unwahrscheinliches an; man bilde sich ein, daßeinige, und zwar rechtgläubige Christen, in der Mey-nung, der christlichen Religion größre Vortheile zuverschaffen, eine Veränderung in den apostolischenSchriften hätten vornehmen wollen. Wäre in demFalle, wenn sie nicht in ihrem Unternehmen hättenunglücklich seyn wollen, wo nicht eine Versammlungaller Christen, zum wenigsten eine Versammlung al-ler ihrer Lehrer unumgänglich nothwendig gewesen,damit sie darüber eine gemeinschaftliche Abrede hättennehmen können? Würden aber so viele Lehrer vonso verschiedenen Gemüthsarten über die Verfälschungder apostolischen Schriften einig geworden seyn ? Undwären sie dieses geworden, würden sie ihre Gemeinenzur Aufnahme ihrer Veränderungen in der Offenba-rung haben bereden können ? Und wenn sie so etwasUnmögliches hätten inö Werk richten können: wardie Entdeckung eines solchen Frevels durch die Juden,die Heiden, und die Irrgläubigen nicht um so vielunausbleiblicher und gewisser, je wachsamer und scha-denbegieriger ihr Haß gegen die wahren BekennecJesu Christi war ? Man kann in der That die Wegeder göttlichen Vorsehung bey der Art, wie die Samm-lung der göttlichen Schriften des neuen Testamentsentstanden ist, nicht genug bewundern. Wir wollenannehmen, daß entweder die meisten christlichen Ge-meinen, oder doch alle ihre Lehrer sich im ersten Jahr-hunderte der Kirche entweder noch zu den Zeiten derApostel, oder bald nach ihrem Tode, versammlet rmddurch einen feierlichen Schluß fest geseßt hätten, wasin der Kirche für apostolische und göttliche SchriftenCc 2 gehal-