Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

Zweyter Abschnitt. 4^7

ttn? Unterdessen räumeten doch fast alle Irrgläubigendie meisten und wichtigsten Begebenheiten, als wirk-lich und wahr ein, welche die Evangelisten erzahlethatten. Das waren die Schicksale der heil. Schrift,und besonders des neuen Testaments unter irrgläubi-gen Secten der Christen.

Die ersten christlichen Gemeinen waren, wennman den zwenten Brief des Apostels Petrus , denBrief an die Ebracr, die beyden Briefe des ApostelsIacobus, und Judas , die beyden letzten Briefe desEvangelisten Johannes , und die Offenbarung ebendieses Apostels ausnimmt, durchgängig von der Wahr-heit und Göttlichkeit der apostolischen Schriften über-zeugt. Der Weg der Untersuchung war es, der sieentweder zu dieser Ueberzeugung oder zu Zweifeln übereinige apostolische Schriften führcte. Gäbe es einenandern und sicherern Weg, hierinnen zur Gewißheit zugelangen; wäre in der Kirche eine gewisse richterlicheund sichtbare Gewalt, welche in Sachen des MaubeuSeinen entscheidenden Ausspruch thun könnte: so wäredieser Ausspruch in dem zweyten und dritten Jahrhun-derte von einer unumgänglichen Nothwendigkeit gewe-sen. Die Irrgläubigen erdichteten sehr bald falscheSchriften, welche sie den Aposteln zueigneten« Wennjemals die Stimme eines unfehlbaren Orakels nöthigwar : so mußte dasselbe damals reden, als vielleichtder christliche Glaube leiden konnte, wofern dierechtmäßigen Schriften der Apostel nicht von den fal-schen und untergeschobenen unterschieden wurden:Allein dieses Orakel schwieg, weil es keins gab. DieLehrer der Kirche versammelten sich nicht, die Samm-lung der apostolischen Schriften zu bestimmen, oderwie man in den Schulen der Gottesgelehrten redet,

Cc 4 den