Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
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Zweyter Abschnitt.

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phiren, und dieses bewog die Lateiner, unter denenes dazumal eben nicht die glücklichsten Ausleger gab,sich in dieser ungünstigen Meynung von diesem Briefezu bestarken. Ware man damals in der Wissenschaftder Auslegung mächtiger gewesen; hatte man unterder Erleuchtung, von welcher in dieser Stelle geredetwird, nicht die Taufe, sondern eine solche so deutlicheErkenntniß verstanden, welche einem blendenden Lich-te gleicht, wider welches man nicht anders, alb mitdem größten Frevel und Muthwillen, sündigen kann;hatte man zeigen können, daß unter der Sünde, wel-che keinen Zutritt zur Buße übrig laßt, die Läste-rung vvioer den deiligen Geist gemcynt seyn müs-se, hätte man überdies; erwogen, daß das in dieserStelle gebrauchte Wort, unmöglich, in der grie-chischen Sprache nicht allezeit eine völlige unbedingteUnmöglichkeit, sondern nur einen sehr hohen Grad derUnmabrscheinlichkeit an-eige: so hatten die Recht-gläubigen den Montanisten und Novatianern alleVortheile, die sie aus dieser Stelle ziehen wollten,nehmen können, ohne die apostolische Würde undGöttlichkeit dieses Briefes , der unstreitig eine vonden vorzüglichsten Schriften des Apostels Paulus ist,in Zweifel zu ziehen, und ihm seine Stelle in derSammlung der göttlichen Schrift nehmen zu dürfen.Dieses waren die Schicksale dieses göttlichen Briefesim dritten Jahrhunderte. Nachdem einmal diesesVorurtheil wider ihn gefaßt war: so suchte man ei-nige andere Gründe auf, dasselbe vernünftig zu ma-chen: man nahm sie von der Auslassung des NamensPauli im Anfange diefes Schreibens, von dem Man-gel des gewöhnlichen Grußes, und von der Verschie-denheit der Schreibart von der Schreibart anderer

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