Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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420 Geschichte der christlichen Religion.

und göttlich seyn soll, unbetrügliche und sichere Merk-maale seiner vorgegebenen Würde? Die Privatperso-nen hatten die Freyheit, eine Schrift für göttlich zuhalten, die e6 ihrer Einsicht nach zu seyn verdiente.So hielt Clemens von Alexandrien den BriefdesApo-stels Judaö wider das Zeugniß ganzer Kirchen fürgöttlich, und ein Origenes erkläret? den Hirten desi^ermas , in welchem die Engel oft nicht viel bessersprechen, als der gemeinste Haufe denkt und spricht,für eine göttliche Eingebung. Also hatte in der erstenKirche in Sachen des Glaubens derjenige zu sprechen,der eine vorzügliche Einsicht vor andern besaß, undwas er sagte, bewies.

Der Weg der Untersuchung war es also, welchendie erste Kirche bey der Beantwortung der Frage be-trat, welche Schriften für apostolisch und göttlich ge-halten werden müßten. So lange die Apostel nochlebeten, konnte man leicht wissen, was apostolischeSchriften waren. Erhielt man gewisse Schriften vonihnen selbst: so brauchte man keine Untersuchung an-zustellen. Erhielten die Christen die Schriften, wel-che apostolisch seyn sollten, nicht von den Apostelnselbst, so konnten diese entweder darum gefragt, oderdie vorgegebenen apostolischen Schriften konnten nachden göttlichen Lehren, welche sie aus dem mündlichenUnterrichte der Apostel wissen mußten, geprüft unduntersucht werden. Auf diese Weise gelangten die vierEvangelisten, die Apostelgeschichte und die meistenBriefe des Apostels Paulus zu einem allgemeinen undunbestrittenen Ansehen apostolischer und göttlicherSchriften. Da es einige apostolische Schriften gab,die nicht wie die andern, so schnell bekannt werdenkonnten, und also in einer gewissen Dunkelheit blie-