Zweyter Abschnitt. 421
ben: so verglich man entweder die unbekanntem Schrif-ten mit den bekanntern; oder man untersuchte dieCharaktere der Schreibart; man prüfte die Lehren der-selben , und wenn sie diese Prüfung aushielten, sowurden sie für ächt und göttlich erkläret. Schienen siediese Prüfung nicht auszuhalten: so verwarf man sieohne Bedenken. Paulus selbst hatte in seinem Brie-fe an die Galater den Christen diese Regeln gegeben,nach welchen sie dasjenige prüfen sollten, was etwafür ein Evangelium ausgegeben werden möchte. Ge-nug, daß es nicht die Tradition war, die den aposto-lischen Schriften das Ansehen ächter und göttlicherSchriften gab, ob man gleich die Rechte, welchemenschliche Zeugnisse haben können, nicht ganz bey ih-rer Prüfung aus den Augen setzte. War ein solchesVerhalten nicht ein deutliches Bekenntniß, daß dieersten Christen in der Kirche niemanden für unfehlbarhielten? IgnatiuS war ein unmittelbarer Nachfolger-h»- ^der Apostel. Einige Irrgläubige verlangten die Ori-ginale von den apostolischen Schriften zusehen, ehe^'^'sie glauben wollten. Man weis nicht, ob er in ihrVerlangen willigte. Man weis nur, daß er ihnen, antwortete: Jesus Christus sey sein Archiv. Erverwies sie nicht an die Kirche, als an eine Gewalt,die, was für göttlich gehalten werden sollte, be-stimmen und erklären könnte; auch nicht an die Tra-dition; sondern er sagte, d.'.ß derjenige / rvelcherdem Evangelio nicht glaubte, nichts glaubenkönnte, daß er hingegen den heiligen Geist al-len Archiven der dvelt vorzöge. Dadurch gaber deutlich zu verstehen, daß er in dem Evangelioselbst so sichtbare Merkmaale der Gottheit fände, wel-che ihn so sehr überzeugeten und zum Glauben nöthig-
Dd z ten,