4?o Geschichte der christlichen Religion.
sache immer mehr in ihrem unrechtmäßigen Ansehen be-festiget. Man wollte gern allen Einwürfen der Gno-stiker und der Heiden begegnen. Noch war das Lichteiner gesunden Weltweisheit, und besonders einer rich-tigen Veruunftlehre, nicht aufgegangen. Konnte manden Einwürfen der Ungläubigen und der Irrglaubi-biqen besonders wider die Schriften des alten Testa-mentes, nicht begegnen, wenn man ben dem buchsiabliehen Verstände blieb : so nahm man seine Zufluchtzu einem geheimen geistlichen Verstände. Die Irr-gläubigen machten zum Exempel Einwendungen widerdie mosaische Geschichte der Schöpfung. Man ant-wortete, daß sich das, was Moses erzählte, nicht demBuchstaben nach zugetragen habe, sondern daß es eineAllegorie sey, in welche die Wahrheit nach dem Ge-schmacke der orientalischen Völker habe eingekleidetwerden müssen. Wie mancher unrichtiger Verstandwurde der heiligen Schrift angedichtet, weil man vondieser schlimmen Gewohnheit hingerissen war ! Manfindet schon in dem Briefe des Larnabas deutlicheSpuren davon. Doch sie setzte sich erst im zweytenund dritten Jahrhunderte durch einen panränus,Clemens, und Grigenes in ein der Religion höchst-schädliches Ansehen. Damals wurde es einer von denvornehmsten Grundsätzen in der Auslegungskunst derchristlichen Gottesgelehrten, daß man in der heiligenSchrift einen dreyfachen, einen buchstablichen, einenmoralischen, und einen geheimen oder mystischen Ver-stand suchen müsse. Die ersten Kirchenväter sind zuentschuldigen, daß sie dergleichen Grundsätze ange-nommen haben, da es doch im vorigen Jahrhunderteein Grundsatz sehr großer Gottesgelehrten war, daßder heilige Geist alles Wahre, was sich nur ein mensch-licher