Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
436
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4z6 Geschichte der christlichen Religion.

und eiiigebildete Weisheit sich über andere hinaussetzen wollten, waren zu einer gründlichen Untersu-chung der christlichen Religion unfähig. Man mußrichtige Begriffe von Gott, seinem Wesen und seinenEigenschaften, von der menschlichen Seele, von ihrerwahren Bestimmung, von ihren Pflichten und vonder Natur ihrer Glückseligkeit haben; man muß diesicher,, Regeln wissen, nach welchen die Wahrheitoder Unwahrheit, und selbst die Möglichkeit oder Un-möglichkeit, und weiter die Glaubwürdigkeit oder Un-Wahrscheinlichkeit gewisser Säße bestimmt und festge-setzt werden kann, wenn man durch den Weg derUntersuchung zu einer gewissen Erkenntniß der Religiongelangen will. Wo waren denn unter den Heidendiese gesunden Begriffe ? Welch ein Unsinn war diemorgenländische und abendländische Weltweiöheit?Kannte man gewisse und bestimmte Regeln die Wahr-heit zu finden ? Und wie eingebildet war gleichwohldie Welt auf ihre Weisheit, wie sehr darein verliebt!Man kann es daher schließen, daß selbst diejenigen,welche der sichtbaren Göttlichkeit der christlichen Reli-gion nicht widerstanden, dennoch die Liebe zu ihrereiceln Weisheit nicht ganz aufopfern, und diese Zau-berinn nicht ganz verlassen konnten, so sehr waren sievon ihren Reizungen gefesselt. Gleichwohl solbe dieReligion weit ausgebreitet, und, damit diese Absichtleicht erreicht wer.en möchte, die Menschen solltenschnell überzeugt werden, ohne ihnen eine offenbareGewalt anzuthun, ohne die Freyheit ihrer Entschlüs-se zu hemmen, und sie in Maschinen m verwandeln.Die Ueberzeugung durch Wunder war ein Mittel,daö eine zu wirken, ohne das andere zu verursache».Wenn ein Mensch eines offenbaren und unstreitigen

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