Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
439
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Zweyter Abschnitt. 4?9

Alle Wunder, welche Jesus Christus ' gethanhatte, waren nicht im Verborgenen, ohne Zeugen,und so zu sagen, auf eine verstohlene Weise geschehen.Ganz Palästina konnte Zeuge davon seyn. Seineallermeisten Thaten wurden im Angesichts vieler tau-send Menschen verrichtet. So müssen, auch Wunderbeschaffen seyn, wenn sie einen tiefen und lebendigenEindruck bey den Menschen machen und keinen Ver-dacht wider sich erwecken sollen. Denn nur Betrü-ger suchen das Dunkle, und scheuen das Licht und dieUntersuchung. Gott aber thut nicht in der Absicht,die Untersuchung der Lehre zu verhindern, sondern viel-mehr sie zu befördern und zu beschleunigen, Wunder»Eben so waren die Wunder der Apostel beschaffen.

Die Apostel haben also wahre Wunder verrichtet;'sie haben so gar das Vermögen gehabt, diese göttlicheKraft auf andere fortzupflanzen. Allein sind dennnoch Wunder geschehen, nachdem sie von der Erdenhinweggenommen worden sind ? Wenn es erlaubt wä-re, durch Gründe und Schlüsse historische Aufgabenzu entscheiden : Was wäre natürlicher, als die Ant-wort, daß die Wundergaben noch nach dem Tode derApostel fortgedauert hätten? Denn noch waren diegroßen Endzwecke, zu deren Ausführung Gott den er-sten Herolden des Evangelii die Kraft Wunder zuthun, ertheilet hatte, nicht völlig erreichet. Die Be-kehrung der Heiden war noch nicht so allgemein, alssie durch dieses Mittel werden sollte. Noch tobcten,und empvreten sich die Völker und Könige wider denHerrn und seinen Gesalbten. Noch war die Weltnicht weiser geworden ; noch konnten sie die ihnen an-crschaffne Vernunft gehörig brauchen. Allein dashieße die Fortdauer der Wundergaben in der ersten

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