Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
440
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Geschichte der christlichen Religion.

Kirche nicht erweisen, sondern nur muthmaßen, dawir in der heiligen Offenbarung keine so bestimmteProphezeiung davon finden, welche gar keinen Aus-flüchten Raum ließe. Diese Anmerkung aber wirdwichtig, wenn die Erhaltung der Wundergaben inden ersten Jahrhunderten der Kirche durch historischeBeweise darqethan wird. Denn diese können durchkeine andern Gründe umgestoßen werden, als durchsolche, welche unwidersprechlich darthun, daß Gottwider alle Weisheit gehandelt haben würde, wenn ernach dem Tode der Apostel noch Wunder hatte gesche-hen lassen wollen.

Aus dem ersten christlichen Jahrhunderte kannman keine ganz zuverlaßige und bestimmte Zeugnissefür die Fortdauer der Wunder und Wundergaben an-führen. Denn ob man gleich in den Schriften derapostolischen Vater, eines Clemens von Rom , einesIgnarrus, und eines ^)olycarpus Ausdrücke fin-det, welche Wundergaben zu bezeichnen scheinen : sosind sie doch nicht so deutlich, daß ein historischer Be-weis daraus geführet werden könnte. Man darf sichdarüber nicht wundern, wenn wir die geringe Anzahlder Schriften, die wir von den unmittelbaren Nach-folgern der Apostel Jesu Christi haben, und zugleichden wahren Charakter derer, so uns übrig gebliebensind, erwägen wollen. Sie hatten keine wichtigeVeranlassung von dieser göttlichen Gnade zu reden;darum redeten sie nicht davon.

Desto deutlichere Zeugnisse von der Fortdauerder Wundergaben unter den Christen findet man imzweyten und im dritten Jahrhunderte. Wenn mandie Beschaffenheit und die Absichten der Schriften,worinnen sie gefunden werden, erwägt: so wird das

Still-