Zweyter Abschnitt. 44;
rühmen könnten, und zwar aus dem Grunde, daßsich die Gabe der Prophezeiung bey ihnen nicht so,als bey den Propheten, äußerte; daß man den prophe-tischen Geist genau von dem Geiste des Enthusias-mus unterscheiden müßte. Ja eben darum, weil dieKirchen dazumal noch mit Wundergaben von demGeiste Gottes ausgerüstet wurden, beredeten Montanund seine Anhänger, so wohl sich selbst, als andere,daß der Geist des Herrn auf eine außerordentliche Artdurch sie wirkete. Man erzahlet, daß kurz vorher(Duadrarus, ein berühmter Vertheidiger der christ-lichen Religion, die Gabe der Prophezeihung besessenhabe. iLttsebius versichert, daß viele Christen eben ^« ^deswegen die Montanisten für wahre Propheten ge- ^' ^'halten hätten, weil dazumal sehr viele Wunder durchdie Kraft des heiligen Geistes in verschiedenen Kirchengewirket worden waren. Dodwell beweiset bcson- 0o^vv.,»ders von der Gabe der Gesichter umständlich, daß die ^>O"-Kirche des zweyten Iahrhundertes besonders die Ga- ^"""-4-be göttlicher Gesichter zu besitzen geglaubt habe. Mankönnte, wenn man weitläuftig seyn wollte, aus demEusebius, und aus verschiedenen sehr alten Märtyrer-gcschichten, besondere Beyspiele davon anführen.
Sollten die Wundergaben mit dem Tode der Apo-stel aufgehöret haben: so könnte man nicht begreifen,wie Tertullian in seiner Schutzschrift hätte so kühnseyn, und zu den Heiden sagen können, und zwar ineiner Schrift, die, wo nicht an den Senat, zumwenigsten an den Proconsul von Africa gerichtet war:lasset einen Besessenen auf den Gerichtsplaß bringen;wenn der Teufel nicht von einem Christen ; er magseyn, wer er will, ausgetrieben wird, und sich nichtfür einen Teufe! bekennt: so lasset den Christen das