Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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446 Geschichte der christlichen Religion.

scheiden als er sonst auch von sich urtheilete, göttlicheGesichter gehabt zu haben rühmete, und vieler andernanzuführen, die nochspater oder doch nicht so umständ-lich sind.

Diese Zeugnisse sind so wichtig, daß ihre historischeGlaubwürdigkeit, durch einigeAnmerkungen in ihremLichte, gezeigt zu werden verdienet. Alle Zeugen,welche mir zeither angeführet haben, reden von derFortdauer der Wundergaben, als von einer überallbekannten und unleugbaren Sache. Weder die Ju-den, noch die Christen, noch die Heiden, zweifeltendaran. Die Feinde der christlichen Religion leugne-ten die historische Wahrheit dieser Zeugnisse nicht.Man findet nirgends eine Nachricht, daß sie der Lü-gen überführet worden wären. Und gleichwohl wardieses um so viel leichter, weil die Christen die heid-nischen Obrigkeiten dazu auffodertcn, und um so vielnöthiger, weil sie die Göttlichkeit ihrer Lehren, unddie Gewißheit der Wunder Jesu Christi aus die Wun-der, so noch unter ihnen geschahen, gründeten. Lu-cian, dieser berühmte Spötter, leugnet die wunder-thätigen Handlungen der Christen auch nicht; er be-hauptet nur, daß sie durch Gauklerkünste verrichtetwürden; ein Vorwurs der um so viel verdachtiger ist,je mehr er alle Religionen verspottet. Die heidnischenPhilosophen und die Jüdcn suchetcn sich wider die Wun-der der Christen auf eine andere Weise zu retten.Sie schrieben dieselben der Magie und der Gewalt derDämonen zu. Weil also die Fortdauer der Wunder-gaben ganz unleugbar und bekannt war, darum füh-rten die christlichen Lehrer keine besondern Exempelder unter den Christen verrichteten Wunder, an.

Dieses wäre für ihre Zeiten etwas ganz überflüßiges

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