Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
447
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Zweyter Abschnitt. 447

gewesen. Es hatte vielleicht zur Erbauung der nachfol-genden Zeiten gereichen können, wenn sie viele besonde-re Beyspiele von den durch Christen verrichteten Wun-dern angeführet hätten. Allein die Fortdauer derWundergaben wäre dadurch an sich selbst nicht glaub-würdiger und ihre historische Gewißheit nicht mehrvor den Einwürfen unzeitiger Zweister geschüHet wor-den. Und geseht, daß die Wunder der Christendurch ein gerichtliches Zeugniß waren bestätiget wor-den : so würden sie damit für i . re Glaubwürdigkeitnichts mehr gewonnen haben. Könnte man, wennman durchaus zweifeln wollte, nicht auch ein jolchesgerichtliches Zeugniß, das doch gewiß nach dem Cha-rakter der Heiden unmöglich erwartet werden kann,für einen Betrug erklären? Ueberdiß haben sich ge-wiß die Lehrer der ersten Christen nicht vorstellen kön-nen, daß in entfernten Jahrhunderten, wenn der gan-ze Erdkreis mit Christen erfüllet seyn würde, anWundern gezweifelt werden könnte, ob sie geschehenwaren, an welchen damals die ungläubigsten Heidennicht einmal zweifelten, ob sie ihnen gleich die Eigen-schaft göttlicher Wunder streitig machen wollten. Wirwollen uns noch einmal erinnern, daß diese Zeugnissegrößtentheils aus Schußschriften der christlichen Re-ligion wider die Ungläubigen genommen sind. Es istalso ungereimt, Zeugnisse, welche durch keine histori-sche Beweise der Unzuverläßigkeit überführet werdenkönnen, darum zu verwerfen, weil sie sich auf keinebesonderen Fälle und Exempel beziehen, zumal wennman eine hinlängliche Ursache angeben kann, warumsie allgemein sind.

Man muß ferner anmerken, daß diejenigen, wel-che die Fortdauer der Wundergaben nach dem. Tode

der