Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
449
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Zweyter Abschnitt. 449

eines Todten kann durch die Sinne allein beurtheiletiverdcn; man braucht kein großer Geist, noch vielwe-niger ein glücklicher Kunstrichter und Ausleger zu senn,wenn man sehen will, ob ein Kranker und Wahnwi-tziger durch ein bloßes Wort von seiner Plage befreyetwird. Es giebt Fälle, wo man cbeu dadurch einenschr schwachen und leichtgläubigen Geist verräth, daßman aus bloßen Muthmaßungen andere einer unglaub«liehen Leichtgläubigkeit beschuldiget.

Die angeführten Zeugnisse könnten mit einigemScheine für verdächtig gehalten werden, ob man siegleich deswegen noch nicht für falsch erklären dürfte,wofern sie behaupteten, daß nicht alle Wundergaben,sondern nur gewisse Arten dieser Kräfte nach dem To-de der Apostel fort gedauret hatten. Ich würde dieseZeugen nicht für Betrüger halten, wenn sie aussage-ten, daß bloß die Gabe der Gesichter oder der Weis-sagung erhalten worden wäre: allein ich würde meinUrtheil nicht ohne allen Grund au schirben. Ebendas würde ich thun, wenn ich sähe, daß sich die ersteKirche nach dem Tode der Apostel bloß der siegreichenGewalt über die bösen Geister rühmete. Allein sie be-zeugen, daß alle die Wunder, welche die Apostel ver-richtet haben, zuweilen, bey wichtigen Gelegenhei-ten, und öfters; denn es drückt sich nicht ein Zeuge,wie der andere, aus ; einer hat viel, der andere batweniger gesehen; noch nach dem Tode der Jünger Je-su Christi verrichtet worden sind. Es sin' Todce auf-erwecket worden , und zwar in verschiedenen Gemei-nen; man hat Kranke durch ein Wort geheilet; manhat die Teufel durch den Name«, J.'su Christi ausge-trieben: wenn bringt man wohl Wahnwitzig', wennman auch die Besessenen der ersten Kirche dafür ho?l-

II Theil. Ff ten