Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
450
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4)'O Geschichte der christlichen Religion.

ten wollte, durch ein Wort, oder durch leichte undkurze Beschwörungen wieder zu ihrer Vernunft?Man hat nicht eine Krankheit, sondern unzähligeKrankheiten geheilet; man hat, was zukünftig ist,vorher gesagt; man hat fremde Sprachen geredet,daß eine Partey vorgeben sollte, es geschahen zur Be-stätigung ihrer Meynungen öffentliche Wunder, undin der That geschähen keine; das ist schon unglaublich.Wie unglaublich ist es nicht, daß sie sich rühmen soll-te, sie besäße die Macht, so viele verschiedene Artenvon Wundern zu thun, da sie in der Wahrheit nochkein einiges thun könnte?

Die Wunder, welche nach dem Tode der Apostelgeschahen, geschahen zur Beförderung eben der End'zwecke, welche die Wunder gleich im ersten Anfangedes Christenthums nothwendig gemachet hatten. Siesollten vornehmlich die Wahrheit und Göttlichkeit der5. christlichen Religion erweisen. Darum hielt es Gn,c. Ce//.' genes für nöthig, zu erinnern, daß die Lehre JesuChristi eins ganz eigene und besondere Art des Bewei-ses habe, die so edel und erhaben sty, daß sie mit dergriechischen Kunst zu beweisen nicht verglichen werdenkönne. Diese Beweise bestünden in dem Verreisedes Geistes, oder in Weissagungen und in demBeweise der Rraft, oder in Wundern, denn wenndie Predigt der Apostel nicht mit Wundern wäre be-gleitet worden: so würden sie nimmermehr die Völ-ker, denen sie ihren neuen Glauben vortrugen, dahingebracht haben, daß sie der Religion ihrer Väter ab-gesaget, und eine Lehre angenommen hätten, welchenicht ohne die größte Lebensgefahr bekannt werdenkonnte. Man weiß, daß sich die christlichen Lehrerder ersten Kirche, eben nicht auf die Erlernung frem-der