Zweyter Abschnitt. 451
der Sprachen legeten. Sie verstunden nicht einmaldie hebräische Sprache. Wie wurde denn die christ-liche Religion unter den fremden Völkern ausgebrei-tet, welche weder die griechische noch die lateinischeSprache redeten ? So viel ist unleugbar, daß dieWundergaben der ersten Christen sich niemals äußer-ten, wenn weiter kein Endzweck dadurch erhalten werdenkonnte, als daß etwa die Neubegierde der Menschendadurch befriediget wurde. Denn als Aurolycus, 7AeaM^/ein Heide, den antiochenischen Bischof, Theophilus ^'"o/./.,auffoderte, daß er einen Todten auferwecken sollte,mit der Zusage, daß er die Auferstehung von den Tod-ten alsdann glauben wollte: so that solches der Bi-schof nicht, weil er, wie er sagte, wußte, daß derHeide doch nicht glauben würde. Ueberdieß war hierein Wunder überflüßig, weil Autolycuö schon Ver-stand genug besaß, sich durch Gründe von dieserWahrheit zu überzeugen. Jesus that selbst nicht al-lezeit Wunder, wenn sie von ihm gefodert wurden.
Man kann die christlichen Lehrer der erstell dreyJahrhunderte, keiner Leichtgläubigkeit in Ansehungder erzählten Wunderwerke beschuldigen. Sie wuß-ten so wohl, als der tiefsinnigste Weltweise unsererZeiten, was zu einem wahren Wunder gehörete.Sie forscheten nach der Wahrheit; denn eben darumverwarfen sie die Gaukelspielerstreiche der Heiden und ^die falschen Prophezeiungen der Montanisten.
Man muß die weise Austheilung dieser WWder-gaben in der ersten Kirche, aus der Hand der Vor-sehung bewundern. Es waren Knaben, Manner,Weiber und ungelehrte Leute, welche öffentliche Wun-der verrichteten. Gott war darum so freygebig gegensie, daß niemand auf den Verdacht gerathen sollte,Ff 2 als