Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
452
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4)2 Geschichte der christlichen Religion.

als wenn List, Verschlagenheit und natürliche Geschick-lichkeit die Ursachen der verrichteten Wunder waren.Der Gelehrte kann allezeit eher eines Betrugs be-schuldiget werden , als der Unwissende, als ein ge-meiner Mann, oder Knabe.

Man fragt, wie die Wundergaben fortgepflanzetworden sind. Einige halten dafür, daß solches durchdie Auflegung der Hände geschehen sey. Allein manzweifelt mit Recht daran, wenn man eine gewisseStelle aus den apostolischen Verordnungen erwäget,worinnen gesaget wird, daß man keinem Exorcistendie Hand auflegen solle, weil der Sieg über diebösen Geister ein freyes Geschenk der göttli-chen Gnade rvare. Es ist also wahrscheinlich, daßGott die Christen so oft mit der Kraft Wunder zuthun ausgerüstet habe, als dieselben zur Verherrli-chung seines Namens und seiner Religion nöthig wa-ren.

Umsonst hat also Midleton die Fortdauer der Wun-dergaben in den ersten drey Jahrhunderten zu leug-nen versuchet. Wenn er zu einem solchen Unterneh-men , Scharfsinnigkeit genug besaß: so besaß er dazunicht genug Gelehrsamkeit und Bescheidenheit. Mankann es schon daraus schließen, daß er den leichtgläu-bigen Charakter der ersten Kirchenväter, unter an-dern daraus beweist, daß sie nicht allezeit glücklicheAusleger, Kunstrichrer und Philosophen waren. Darfsich wohl ein Midleton mit einem Origenes verglei-chen ? Wer sollte wohl unter beyden leichtgläubigerseyn, wenn die Leichtgläubigkeit nach dem Maaße desVerstandes , den ein jeder besitzt, bestimmt werdensollte? Niemand sollte den andern über den Mangel

des