Zweyter Abschnitt. 497
ten, so geschah solches durch die Erinnerung an ihreTugenden. So natürlich als es dem Menschen auchist, sogar die Kleinigkeiten eines Freundes, die er et-wa» hinterläßt, seine Kleider und andere solche Ueber-bleibsel von ihm werth zu halten ; so findet man dochin den Schriftstellern der drei) ersten christlichen Jahr-hunderte, und besonders in den göttlichen Schriftendes neuen Bundes nicht die geringste Spur von einerSorgfalt der Gläubigen, die ^eliczuien Jesu Chri-sti , seiner Apostel und anderer Heiligen zu erhalten,um durch das Anschauen derselben ihre Andacht ent-stammen zu können.
War etwas werth, von der Sorgsalt der erstenChristen erhalten zu werden, so verdienten diese Ehrevorzüglich die Kleider Jesu Christi , die so viele Wun-der gethan hatten, wenn sie nur angerührt wordenwaren, und überhaupt alles, was sein heiliger Leibnur berühret hatte; besonders aber das Kreuz, an wel-chem von ihm die Sünde der Welt getragen wordenwar. Was konnte die Kirche nicht von diesem Kreu-ze für einen Eindruck auf die Christen erwarten, wennanders solche sinnliche Gegenstände einen wahren gott-seligen Eindruck machen können! Und dennoch er-wähnet kein Apostel, kein Schüler und Nachfolgerder Apostel, kein Clemens von Rom , kein Jgnatius,kein Polycarpus nichts von diesen heiligen Ueberbleib-seln, und bis auf das vierte Jahrhundert schweigenalle christliche Schriftsteller davon.
Was insbesondere das Kreuz Jesu Christi betrifft ?so findet sich in den ersten Zeiten keine einzige Spureiniger Ehrfurcht gegen dasselbe. Wie leicht hätte eserhalten werden können, wenn die erste Kirche gegenHolz und Stein die Gesinnungen schon gehabt hätte,II. Theil. Ji die