Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
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^ Zweyter Abschnitt.

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tigkeiten über die Feyer des Osterfestes sind uns schonbekannt. Unter dem Pfingstfeste verstunden einigeunter den Alten alle diejenigen Tage, die zwischenOstern und dem eigentlichen Pfingstfeste fallen, wel-ches aber schon zu den Zeiten des Grigenes und alsoim zweyten christlichen Jahrhunderte, begangen wordenseyn muß. Außer dirsen festgesetzten Festen feyertedie Kirche jahrlich nocb das Andenken ihrer Märtyrerbey ihren Grabern. Dieses veranlasset«! in den folgen-den Zeiten die Wallfahrten zu denselben.

Die Feyer des öffentlichen Gottesdienstes an diesenTagen, war im Anfange der edlen Einfalt des Chri^stcnrhumes vollkommen gemäß ; nach und nach wur-den aus guten Absichten verschiedene Ceremonien ein-geführet; man fand , denn der Menfch ist nur all^u-sinnlich, einen Geschmack daran; man vermehrere sie;bald darauf wurden sie für nothwendig und unentbehr-lich gehalten, und schon im dritten Jahrhunderte wur-den die Unterlassungen gewisser Gebräuche, die solange unschuldig waren, als sie zu keinem Joche wur-den, zu Todsünden gemacht, die einen Menschen beynahe aus der kirchlichen Gemeinschaft ausschlössen.Man glaubte, die Religion weiter auszubreiten, wennman den christlichen Gottesdienst aus Nachsicht ge-gen die Jüden und Heiden, die ihre Augen und Oh-ren beschäftiget wissen wollten, sinnlicher machte, undihm einen größern äußerlichen Glanz gäbe. Diese un-zcitige Gefälligkeit verleitete bald einige Lehrer zu derirrigen Meynung, daß bey einem Gottesdienste, wenner recht erbaulich seyn sollte, Ceremonien nothwendigwaren; eine Meynung, welche die erste Wegweiserinnzum Aberglauben ist. Jedoch wir wollen lieber eini-ge Blicke auf die Einrichtung des erstell christlichenMm 2 Got-