Zweyter Abschnitt. 557
sten Christen an Gebethen fehlen, da ihnen im An-fange der heilige Geist auf eine außerordentliche Wei-se mitgetheilet wurde, und da die heilige Schrift, die-ser so reiche und unerschöpfliche Schah des Gebethes,unter ihnen im größten Ansehen war? Das Gebeth ö/»^.geschah an allen Sonntagen und hohen Festen, wo ""5- ^cc/.sie nicht fasteten, stehend: dieses war ein Zeichen des^-^-fröhlichen Herzens, mit welchem sie betheten. An ' ^'Fasttagen aber verrichteten sie, zum Zeichen der Trau-rigkeit , ihre Gebethe kniend.
Auf das Gebeth folgere die Opferung derjenigenGaben, von welchen die Bischöfe , die andern Kir-chendiener, und die Armen ihren Unterhalt erhaltensollten. Diese Opferung war in den bedrängten undunruhigen Umständen der ersten Kirche das besteund bequemste Mittel, sowohl die Bedienten der geist-lichen Aemter, als auch die Armen und Dürftigen zuversorgen. In den allerersten Zeiten waren dieseGaben, welche die Gläubigen in ihre öffentlichengottesdjenstlichen Versammlungen brachten, eigentlichzu den gemeinschaftlichen Liebeemaalen oder den soge-nannten Acsapen bestimmet, welche vor dem Ge-nusse des Abendmahles vorherzugehen pflegeten ; nurder Ueberfluß derselben dienete zur Versorgung derLehrer und der Armen. Bey diesen Agapen waraller bürgerliche Unterschied der Ehre aufgehoben;der Arme hatte so viel Recht, dabey gegenwärtig zuseyn, als der Reiche; ja eben die Dürftigen solltendurch dieselben erquicket werden. Sie dieneten zumBeweise der brüderlichen Eintracht und der Gleichheitder Christen unter einander. Sie dauerten bis in daszweyte Jahrhundert. Je zahlreicher aber die Ge-meinen wurden, desto unmöglicher wurden diese Aga>
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