Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1782)
Entstehung
Seite
326
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g26 I.TH. 4. Abschn. Syntax

die vergangene; allerley Personen, vornehme»ind geringe; die Rose, die schönste unter denBlumen. So auch bey eigenen Nahmen: Luesdrich, der weise, der standhafte. S. den vori-gen §. In welchem Falle es aber in dem Cafnvon seinem Verbo abhängt: weg mit den Aossei», die schönsten hast du bereits ausgesucht.0. Wenn ein sehr bekanntes Substantivum leichtzu errathen ist, und daher ausgelassen wird, welchesdoch nur selten Statt findet, besonders bey Zahl-vör-tern: es rvaren ihrer viele, wenig da, nähm-lich Personen; mir sechsen fahren; auf allenVieren kriechen; den zwölften dieses Go-liaths; zur rechten und zur linken. WelcherFall sich unvermerkt in denjenigen verlieret, da dasAdjectiv als ein Substantiv gebraucht wird: zurRechten und zur Linken, ein Gelehrter, emHVeiser.

Ein Adjectiv bezeichnet eine Eigenschaft; solleine und eben dieselbe Eigenschaft mehrern selbstän-digen Dingen beygeleget werden, so muß sie imSingular wiederhohlet werden, wenn gleich die bey-den Substantive eines Geschlechtes sind: der rusgendhafre Bürger und der tugendhafte Bauer,nicht der tugendhafte Bürger und Bauer.Die Ursache leuchtet leicht ein; die Eigenschaft sollzweymahl genommen werden, und kann doch nichtanders als im Singular stehen; daher hier ein Wi-derspruch ist. Da dieser aber im Plural wegfällt,so kann ein Adjectiv hier auch gar wohl zwey In-dividua bestimmen: die tugendhaften Bürgerund Bauern; wohlriechende pflanzen undArämer. Da die Wiederholung eines und ebendesselben Adjectives im Singular das Ohr beleidi-gen würde, so ersetzet, man das eine, wenn es seyn

kann.