Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1782)
Entstehung
Seite
395
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r. Kap. 6. Verbum. §.692. 395

ich weder gesehen, noch gelesen, noch ge-höret habe; Schönheiten, deren Reihe dasAlcer nicht vermindern, sondern vielmehrVermehren wird; ich habe gesehen, daß ei-nige dadurch sind gerühret, andere belehretworden.

Man hat mehrmahls geklaget, daß die Hülfs-wörter, besonders wenn mehrere derselben zusammenkommen, Mißklang und schleppende Dehnung verur-sachen. Allein, i. ist derGebrauch der Hülfswörter indem Wesen der Sprache selbst gegründet, so sind derMißklang und die Dehnung bloß eingebildet. EineSprache darf nie nach der andern beurtheilet werden^Können Sprachen mit vollständigem Conjugationenin manchen TemporibuS sich kürzer ausdrucken, alsdie Deutsche, so kann diese dafür in andern Fällenkurz seyn, wo jene weitschweifig seyn müssen. DieKürze ist kein Grundgeftß in der Sprache, wohlober die allgemeine Verständlichkeit. Oft rühretdas Schleppende von einer ungeschickten Stellungder Hülfswörter her: bis dasselbe noch vermeh-ren werde können, für werde vermehren kön-nen. 2. Ist aber die Häufung der Hülfswörternicht in der Sprache gegründet, so verräth es wie-der Ungeschicklichkeit und Armuth des Geistes vonSeiten des Sprechenden, sie ohne Noth zu häufen.Wer heißt uns, jeden Gedanken gerade so ausdru-cken zu wollen, als er sich das erste Mahl darstellet,ohne erst zu überdenken, ob er sich auch geschickt so aus-drucken lasse ? Das erlaubt keine Sprache, sie sey,welche sie wolle, am wenigsten die Lateinische, so oftman sie auch in diesem Stücke der Deutschen hatvorziehen wollen. Aber im Deutschen will man sichoft Freyheiten Heraus-znehmen, welche keine andereSprache verstattet, und wenn denn. der. Ausdruck