Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1782)
Entstehung
Seite
680
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6Zc> 2. TH. Von der Orthographie.

Daß diese Einschränkung nothwendig ist, läßtsich seicht zeigen. In einer jeden Sprache von eini-gem Umfange herrschen zu einer und eben derselbenZeit verschiedene Aussprachen, und zwar nicht alleinin den verschiedenen Provinzen, sondern selbst unterden verfchicdenen Classen der Einwohner einer undeben derselben Provinz. Ein jeder, welcher spricht,spricht nur für den gegenwärtigen Augenblick, unddruckt sich dabey allemahl so aus, wie er glaubt, daßderjenige, mit welchem er spricht, ihn am leichtestenverstehen werde. Hier macht also die Verschieden«heit der Aussprache weiter keine Unbequemlichkeit, müßten denn Personen von sehr verschiedenen Pro-vinzen, oder aus sehr weit von einander entferntenClassen einer und eben derselben Provinz zusammenkommen; in welchem Falle aber ihre verschiedenenAussprachen und Mundarten sich wie so viele ver-schiedene Sprachen verhalten werden. Ganz andersverhält es sich mit der Schrift, welche, in dem wei-testen Umfange ihrer Bestimmung genommen, einMittel der Verständlichkeit für alle Zeiten, und fürolle, oder doch die meisten Classen einer Provinz,und Provinzen eines iandes, ist. Soll sie dieseAbsicht erreichen, so kann sie nicht der Ausspracheeiner jeden Classe oder Provinz folgen, fondern siemuß sich an diejenige halten, welche in allen oderdoch den meiste« Classen und Provinzen gleich ver-ständlich ist.

Das verstehet sich denn freylich nur, wenn einjand eine solche allgemeine Mundart und Aussprachehat; allein ein jedes jand von einiger Cultur hat sie,und Deutschland hat sie von 'dem ersten Anfangeseiner Cultur an gehabt, und hat sie noch; und dieseMundart und Aussprache ist denn diejenige, welchedie allgemeine und beste ist, und in der Schrift

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