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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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man ihnen langst bannt zuvorgekommen, und daß der alteDichter, den sie ihreSFleisses für so werth hielten, gleichim Anfange, der Buchdruckerey für würdig geachtet wor-den, durch die neuerfundene Kunst allgemeiner bekanntgemacht zu werden. Oder wenn dieses die Sache nichtwar, > wie man denn auch wohl schwerlich hehaupterckann, daß alle Bücher, welche zuerst gedruckt wurden,auch zuerst gedruckt zu werden verdienten so erhelletdoch wenigstens aus dem so schleunigen 'Abdrucke dieserFabeln, daß sie damals ein Buch gewesen, welches vielgelesen ward: denn wenn die Wahl der ersten Drucker schonnicht immer auf die besten Bücher fiel, so siel sie dochsicherlich immer auf die gangbarsten.

Eine Anmerkung dringt sich hier mir zu lebhaft auf,als daß ich sie ganz verschweigen sollte. > Wie wenigman sieht, wenn man nur das sieht, was man sehen will!wenn man für nichts Augen hat, als für seinen Kram!Und wie bekannt etwas seyn kann; und zugleich wie un-bekannt! Als erster Druck, war unser Fabelbuch be-kannt genug; nur als das, was es eigentlich ist, war esso unbckanut, daß es, völlig ungerügt, einmal und zwey-mal, als etwas ganz Neues, aus Handschriften konnteund durfte gedruckt werden. Das macht: der ^itteratorverachtet meistens den Poeten; und der Poet lacht gemei-niglich über deu ^itterator. Jeder begnügt sich, um seineWelle zu gehen, wie ein geblendeter Gaul.^

Wer sich indeß auf die Seltenheit eines deutschenDruckes von 1461 verstehet, wird leicht begreiffen, daßweder Scherzen, noch den Herren Schweizern aus ih-

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