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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Und nun, da wir diese Verdienste des Zustinianusunr diese Bäder kennen: was folget daraus wahrscheinli-cher Weise in Ansehung des Verfassers unsers Gedichts?Alle Handschristen nennen ihn Paulus Silenriarius.Man kannte aber bereits einen Mann dieses Namensund dieses Titels, der ebenfalls ein Dichter war, aus ver-schiedenen in der Anthologie von ihm aufbehaltenen Stü-cken. Warum also ohne Noth die Wesen vermehren?Warum soll nicht eben der Paulus Silenriarius, derdie Epigramme in der Anthologie gemacht hat, auch un-ser Gedicht gemacht haben? Von diesem aber ist ausge-macht, daß er erster Geheimschreiber bey dein Kayser Zu-stinianus gewesen: und was ist in unserm Gedichte, war-um es nicht ein Gchcimschreiber des nehmlichen Kayserskönnte gemacht haben? So schloß man; und ließ sich umden eigentlichen Vorwurf dieses Gedichts unbekümmert.Und nun, da wir den genauer kennen; da wir wissen, daßer Bader betrist, welche eben der Kayser so sehr verschö-nert hatte, bey welchem jener Paulus die Stelle einesSilentiarius bekleidete: sollten wir anders schließen? soll-ten wir nicht um so viel mehr ein Gedicht auf diese Ba-der, eben demselben Paulus beylegen? Hiezu kömmt noch,daß er einen andern Bau seines Kaysers ebenfalls besun-gen: nehmlich der St, Sophien Kirche in der Hauptstadt,welche Zustinianus, nach dem Tode seiner GemahlinTheodors, vollenden ließ. Wenn Paulus dieses einerKirche gethan: warumhatte er es nicht auch Bädern thunkönnen, die gewissermaassen das Werk seines KapftrSnoch mehr waren, als jene?

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