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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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GottcS das Böse, in Vergleichung mit dem Guten, fastfür nichts zu rechnen seyn werde. Und das, meyne ich,hieß der Lehre von der besten Welt auch bey denen Ein-gang verschaffen, welche die Ewigkeit der Höllenqualenannehmen. Der Gedanke aber, woraus diese Ewigkeitherzuleiten sey, sollte blos die Gerechtigkeit Gottes dabeyin ein näheres Licht setzen. Das allein ist in den Wortendes Herrn Eberhard wahr. Warum er aber sagt, daßes nur auf seine, d. i. dem tcibnitz eigenthümliche Be-griffe von der Gerechtigkeit, dabey abgesehen gewesen, ge-stehe ich, nicht einzusehen. Schlimm genug, daß mattdie Lehre von der besten Welt noch immer seine Lehrenennt: warum sollen nun auch die einzigen wahren Be-griffe von der Gerechtigkeit Gottes, seine Begriffe heisscn?

III. Noch fügt Herr Eberhard hinzu:Er (Leib-nitz) nimmt die ewigen Qualen nur bedingungsweisean, und zeigt, daß sie in der Voraussetzung ewiger Ver-schuldigungen nichts ungerechtes enthalten.,, Ich kennedie Stelle in der Theodicce, wo sich L.eibmy voll-kommen so ausdrückt. Gleichwohl würde er cS schwer-lich haben auf sich kommen lassen, wenn man daraus hatteschliesset: wollen, daß er sonach alles, was die Gottesge-lehrten sonst für die Ewigkeit der Strafen anzuführen^siegen, schlechterdings verwerfe. Er thut dieses wirk-lich auch so wenig, daß er vielmehr in dem wichtigstenPunkte, worauf >s dabey ankömmt, mit ihnen mehr alseinig ist. Ich will sagen, daß er diesen Punkt nicht al-lein in seinem Werthe oder Unwerthe beruhen laßt, son-dern

(*) Theodicce Th. I, §. 19.t**) Theil I. §. i zz.