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XV. Daß sie mit dem Wesen der Seele streiten, istdaher klar, weil die Seele keiner läutern Empfindungfähig ist; das ist, keiner solchen Empfindung fähig ist,die bis in ihr kleinstes Moment nichts als angenehm,oder nichts als unangenehm wäre: geschweige, daß sie ei-nes Ausrandes fähig seyn sollte, in welchem sie nichts alsdergleichen lautere Empfindungen, entweder von der einenoder von der andern Art, hätte. Daß sie aber auch mitder Gerechtigkeit Gottes streiten, dieses, fürchte ich, dürftevielleicht weniger erwogen seyn worden, als es verdienet.Was heißt indeß offenbarer damit streiten, als annehmenoder zu verstehen geben, daß selbst die Gerechtigkeit Got-tes einer Unvollkvmmenhcit bey ihren Strafen nicht aus-weichen könne, welche der menschlichen Gerechtigkeit ingewissen Fällen unvermeidlich ist? Diese Unvollkommcn-heit besteht darinn,daß die menschliche Gerechtigkeit, wennStrafen und Belohnungen eolludiren, nicht anders alsdurch die wenigere Bestrafung belohnen, und durch diewenigere Belohnung bestrafen kann: mit einem Worte,daß sie in dergleichen Fällen, wie der Ausdruck ist, inBausch und Bogen bestrafen und belohnen muß. Aberdieses müßte auch Gott? Nimmermehr. Sondern, wennes wahr ist, daß der beste Mensch noch viel Böses hat,und der schlimmste nicht ohne alles Gute ist: so müssendie Folgen des Bösen jenem auch in den Himmel nach-ziehen , und die Folgen des Guten diesen auch bis in dieHölle begleiten; ein jeder muß seine Hölle noch im Him-mel, nnd seinen Himmel noch in der Hölle finden. DieFolgen des Bösen müssen von den mchrcrn Folgen des
Guten, und die Folgen des Guten von den mchrcrn Fol-gen