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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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dem aber vvn der Ewigkeit wohl schwerlich. Da er blosnegativ ist, sv sehe ich nicht, was für eine Gradation dar-in» möglich ist. Man hat ihn gar nicht gehabt, oderman hat ihn von jeher so vollständig gehabt, als er nnrseyn kann. Daß man eine lange unbestimmte Zeit eineEwigkeit zu nennen gewohnt gewesen: das beweiset imgeringsten nicht, daß man sich anfangs auch die Ewigkeitnur als eine lange unbestimmte Zeit gedacht habe. Dennjenes geschieht noch täglich auch von beuten, die sehr gutwissen, was das Wort Ewigkeit eigentlich sagen will.Noch weniger beweiset die ursprüngliche Armuth der Spra-che, die den abstrakten Begriff der Ewigkeit nicht anders,als durch Hauffung der Icit auf Aeit, auszudrücken wuß-te, daß dem Begriffe selbst das wesentliche jemals gefehlthabe. Die Geschichte der Weltweisheit ist auch völligdagegen. Denn er sey immerhin, dieser Begriff der Ewig-keit, eine besondere 'Anstrengung der erhabensten Philoso-phie: wenigstens ist die Philosophie einer solchen An?strengung sehr früh fähig gewesen; und diese erhabenstePhilosophie ist keine andere, als die allerältcste. Selbstdas Transcendentalste, dessen er fähig ist, dieser Begriffder Ewigkeit, und wozu sich selbst noch ißt so wenigen er-heben können; ich meine die Ausschließung aller Folge:selbst dieses war den alten Philosophen schon sehr geläu-fig, und wie gesagt, fast geläufiger, als unsern.

XVII. Eben so wenig möchte ich verschiedene andereAeusserungen des Herrn üLbcrhards über diese Materie,zu den meinigen machen, die ohne das Wesentliche derStreitfrage zu betreffen, sie dennoch in einem falschen

Lichte