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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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zu Sringen, sondern konnten ihn höchstens mir darinn be-stärken. Vielmehr dürste sich der Zeitpunkt weit leichterangeben lassen, wenn man eine allen Religionen so ge-meine lehre, in der christlichen Religion zuerst angefangenhat, theils aus vermeinten philosophischen Gründen,theils aus eignen mißverstandenen Voraussetzungen, zubestreiken. Und auch schon wegen dieser Uebereinstim-mung aller Religionen, mochte ich nicht mit dem HerrniLberhard sagen,daß die Vernunft diese schrecklicheLehre verkennen,, oder wie er sich an einem andern Ortenoch nachdrücklicher ausdrückt,daß die Vernunft an die-sem Lehrsatze unschuldig; daß in dem ganzen UmfangeihrerWahrheiten sich nicht einefinde,die durch eine richti-ge Folgerung dahin führe.,. Was alle Religionen gemeinhaben, kann ja wohl in der Vernunft nicht ohne Grnndseyn; und ohnstreitig ist die von jeher, obfchon mehr dun-kel empfundene als klar erkannte Wahrheit von den ewi-gen Folgen der Sünde, hinlänglich gewesen, darauf zubringen. Oder vielmehr diese Wahrheit, und die Lehrevon den ewigen Strafen ist im Grunde eines; nur in denvn-schiednen Religionen durch die Bemühung, diese Stra-fen sinnlich zu machen, mehr oder weniger verstellet.

XVIII. Ich schließe mit der nähern Anzeige der gleichanfangs erwähnten Ursache, warum ich wünschen könnte,daß sich Herr Eberhard gegen die ewigen Strafen derlasterhaften, wenigstens nicht in einer Apologie des So-krates mochte erklärt haben. Es ist diese, weil Sokratesselbst solche ewigen Strafen in allem Ernste geglaubt, we-nigstens so weit geglaubt hat, daß er es für zuträglich ge-halten.