Eitfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augstmrger poiheitung.
12. Januar M- A. 1851.
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Hat ein Mensch fünfzig Jahre vollendet, so ist er gewiß auch um eine großeSumme von Erfahrungen reicher geworden, und Glück und Heil ihm, wenn ihn dieErfahrung klüger gemacht hat. WaS vom einzelnen Menschen, als Glied des Ge-schlechtes gilt, daS sollte um so mehr Gellung finden von den Menschen, d. i. vomgesammten Geschlechte, das sich da fortentrollt nach Gottes Rathschluß im Laufe derJahrhunderte. Fragen wir die Geschichte: Sind die Generationen klüger gewordendurch die eigene sowohl als durch die Erfahrung der Vorzeit? Tritt nicht eine Gene^ration, ein Volk blindlings nach in die Fußstapfen des andern, das, als ausgebrannteRuine nur mehr der Geschichte gehörig, zum Aase geworden, um das sich die Adlerversammeln, die eindringliche Lehre den Völkern geben könnte und sollte: „Seht! derWeg, den ihr einschlaget, ist derselbe, auf dem wir zu Grunde gegangen. Es ist derWeg der Gottverlaugnung, Selbstvergötterung, oder besser Selbstverthierung im gro-ben und feinen Materialismus. Hochmuth kam vor dem Falle." Wir bezeichnen hierkein bestimmtes Volk als Ruine, als Beute der Adler, denn die Geschichte ist nichtverlegen um derlei Beispiele göttlicher Strafgerichte. Aber das Volk, das wir nochretten, vom Abgrunde zurückrufen möchten, das ist Europas Volk, die Generation,die wir noch zu erhalten wünschten am gesunden geistigen Leben, das ist die jetzige,und ihre Tochter, die nächstkünftige; das Jahrhundert, dem wir gerne eine ehrenvolleZukunft am Tage des Gerichtes bereiten möchten, das ist das unsrige, daS l9te Jahr-hundert. Fünfzig Jahre zählt es voll in seinem Alter. Gott gebe, es wäre umfünfzig Jahre auch klüger geworden! Zwar werden mir — dem finstern Heuler — dseHerren Lichtfreunde auS allen Confessionen vordemonstriren wollen, wie weit sie cs indiesen fünfzig Jahren mit dem Fortschritt im Glauben gebracht. O plagt mich nichtlange Ihr Herren! ich sehe es ohnehin ein. Ihr habt cs so weit gebracht, daß Jhrsnicht mehr weiter bringen könnt. Ihr seyd am Ziele! Ihr habt nur die Wahl, ent-weder zur Gnade des Glaubens an Christum umzukehren, den ihr mit Hohn unterdie Füße der Generation getreten, oder — was euch vielleicht für den Augenblicklieber ist — einzukehren in die Kneipe eures selbstgeschaffenen Thierdienstes, und ü IsRonge und Consorten süßen Weines oder sauren Bieres voll, aus oder unter dc»Bänken eure prophetische Begabung zu entwickeln.
Von der andern Seite her werden mir — dem anrüchigen Ultramontanen — dieHerren vom Handel des alten und neuen Bundes beweisen die Klugheit des Jahrhun-derts, die Berge abgetragen, Thäler ausgefüllt, krumme Wege gerade, ungleiche Wegeeben gemacht hat. Schau hin, du altrömische Gebirgsnatur! auf unsere eisernenStraßen und Rosse, zu Wasser und zu Land, wie wir den Handel in alle Weltenverbreiten; ob wir statt hundert Tonnen OeleS fünfzig, statt hundert Malter Weizen