Ausgabe 
11 (12.1.1851) 2
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achtzig schreiben, darauf kommt's eben nicht an, vas gehört zur Klugheit deS evan-gelischen HauShälters. Die Herren Lichtsreunde haben uns den Weg in der Moralzu diesem Behufe geebnet.Sey ein honetter Dieb, und siehe zu, daß du für deinealten Tage etwas erübrigst, klebt auch daran das Blut der Armen, Wittwen undWaisen." Das ist das Moralsystem unserer Führer. Sieh an, Nltramontaner! wiedie Industrie in allen Zweigen zu unsern Füßen liegt. Komm' nur einmal auf diegroße Londoner Industrieausstellung und bewundere die Werke unsers schaffenden Ge-nies, die Werke, die wir mit Hilfe zweibeiniger Lastthiere, v^Zo Menschenkindergenannt, vollbracht haben. Bei unS gilt der Unterschied von Geist und Natur, denihr ultramontanen Philosophen und Theologen aufwärmt, nichts.Die Natur istgroß, und die Industrie ihr Prophet!' Ihr habt mit eurer Unterscheidung den Sonn-tag und Wochentag, daS' Jenseits und das DießseitS, Gott und den Menschen ge-schaffen. Unsere Arbeiter und Tagwerker an Eisenbahnen und in Fabriken kennen nureinen ewigen Wochentag, und reibt sich dieses Einzel-Naturwesen, dieser Splitter derNaturkraft auf, so werfen wir den Arbeiter weg, denn wir haben für eine Genera-tion von Arbeitern gesorgt, wir sehen eS gerne, wenn Mann und Weib im friedlichenoder unfriedlichen Concubinatc uns die Fabriksbevölkerung geben. Wir bringen sowieder den Sclavenhandel zn Ehren, durch dessen Abschaffung ihr Ultramontanen derIndustrie und den Rittern derselben empfindlich geschadet habt. Nur einen Wunschhätten wir noch, nämlich den: daß der Staat durch die Civilehe der ganzen Sacheeinen legaleren Anstrich verleihe. Unsere Leute sind zufrieden mit dem DießseitS, wirgeben ihnen daS tägliche Fntter, und können wir sie heute oder morgen nicht mehrfüttern, dann werden sie doch hoffentlich das thun , was wir zu thun gesonnen sind:Durch eine Kugel vor den Kopf oder einen Sprung inS Wasser dem DießseitS einEnde setzen. Der Umstand wäre freilich unangenehm, wenn sie in ihrer rohen Natur-kraft an unS oder unserer Habe sich vergreifen möchten. Aber da gibts ja Schutz-mittel gegen wilde Thiere die Waffen; dafür zahlen wir Steuern. Die größteMühe hat eS unS gekostet, denultramundancn" Gott eurer ultramontanen Religionaus den Köpfen und Herzen der Arbeiter herauszubringen, denn so lange dieser Gottdarin herrschte, faselten sie noch immer von religiösen Pflichten an Sonntagen, vonVerpflichtung der Kinder zum Religionsunterrichte, von christlich garantirten RechtendeS Arbeiters u. s. w. Da haben uns nun wieder die Herren Lichifreunde aus derNoth geholfen. Während Altisrael handelt mit der Industrie, handelt Jungisrael mitder Presse und macht Voltaires Höllengebräu, wie ihr nennt, sür daö gemeineVolk zurecht in Tagblättern, Volksbüchern und Kalendern. Wir besitzen dieses Arca-mim für uns selbst unv unsere Kindeskindcr fortwährenv in Fülle in den neu- uudaltsranzösischen und deutschen Romanen. Haben wir daS Volk dergestalt systematischvnrchgebildet, und bringt eS etwa hie und da gar zu arge Früchte unserer Schule,so schieben wir euch die Laster des Volkes in die Schuhe, ihr werdet euch wohl erin-nern, wie oft wir in den Blättern geheult und. geseufzt haben über die NachlässigkeitdeS Klerus gegenüber der zunehmenden Demoralisation der Massen. .Endlich aberwird der herrliche Tag der vollendete» Aufklärung aubrecheu, an dem man keinenKirchthurm mehr mit dem Kreuze, sondern lauter Dampfschornsteine, und unS verklärtin den Rauchwolken der Industrie mit unserem LcbcnSatom in Rauch aufgehen sehenwird, um einer neuen Generation Platz zu bereiten.

Länger als billig vielleicht habe ich mir von den Industriellen des 19ten Jahr-hundertes vordociren lassen, wohl aus keinem andern Gruiwe, als weil ich selbst eingroßer Verehrer der Industrie bin, aber jener Industrie, die nicht vor Allein die Weltsucht, sondern zuerst nach dem Reiche GotteS und seiner Gerechtigkeit begehrt. DieIndustrie ist ja eine Pflegetochter der Kirche, sie ist in den Klöstern desfinstern"Mittelalters großgezogen worden, sie ist heimisch gewesen in den christlichen Zünften,in denen das Handwerk noch einen goldenen Boden hatte. Aber nur Industrie undnichts als Jndustrietreiben ist eine Krankheit unsers Jahrhunderts, ist eine Ablagerungder edelsten Säste der Menschheit ans die minder cdlcn Organe des Lebens, ist eine