Ausgabe 
11 (19.1.1851) 3
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lischen Weltanschauung zu thun; diese steht jeder andern mehr oder wenigerentgegen, je nachdem die andere mehr oder weniger von der katholischen Wahrheit insich aufgenommen hat. So trifft die katholische Weltanschauung mit der gläubig pro-testantischen in recht wesentlichen Stücken zusammen, weil der Protestantismus , als eraus dem Vaterhause schied, gar viel von den dort aufbewahrten Gütern mit sichgenommen hat, an denen er zum Theil noch zehrt; am meisten aber, ja fast in allenStücken völlig entgegengesetzt ist die katholische Anschauungsweise der alten und nunwieder heraufbeschworuen modernen pantheistisch-heidnischen Weltanschauung.Dieser gegenüber soll im Folgenden die katholische Weltanschauung entwickelt werden.

Die katholische Weltanschanung, wie man sich leicht vorstellen kann, hat ihreGeltung nicht bloß auf dem Gebiete des Glaubens, sondern auf allen Gebieten desLebens, auch auf dem deS Staates, der Gesellschaft, der Kunst und Wissenschaft; siewäre ja nicht die katholische, die allgemeine, die allumfassende, wenn irgend ein Ge-biet des SeynS und Denkens von ihr nicht erreicht würde. Unmöglich kann es daherdie Aufgabe dieses VortrageS seyn, die katholische Weltanschauung in ihrem Unter-schiede von allen andern AuffassungSweisen in jedem Gebiete des Lebens, auf jedemFelde menschlicher Thätigkeit nachzuweisen. Nur in Bezug aus das, was das unruhigeHerz fest macht (ES ist ein köstlich Ding, sagt die Schrift, daß daS Herz fest werde),nur in Bezug auf daS, was daS Leben der Gesellschaft im Innersten zusammenhält,kann ich den Nachweis führen.

Die katholische Weltanschauung macht sich zuvörderst gellend in Rücksicht aufdie Bestimmung sowohl veS Einzelnen als des ganzen Geschlechtes.Wenn die pantheistisch- oder heidnisch > moderne Auffassungsweisc daS Daseyn desMenschen auf der Erde für abgeschlossen hält, wenn sie von einem Leben jenseits desGrabes nichts weiß, wenn sie eine höhere unsichtbare Weltordnung, welcher derSterbliche vorzugsweise angehört, durchaus nicht anerkennt; wenn der modernen Auf-fassungSweise Gericht, Ewigkeit, Himmel, Hölle, persönliche Fortdauer inhaltsloseWorte sind, die man nur dem Unmündigen vorreden kann: so erscheint nach derkatholischen Weltanschauung daS irdische Leben bloß als eine Vorbereitung für dasewige, himmlische Leben, der Mensch selbst stellt sich unS, da er nicht bloß einensichtbaren Körper, sondern auch einen unsichtbaren Geist besitzt, der sich nach ganzeigenen Gesetzen entwickelt, der Mensch stellt sich uns dar als ein Bürger zweierWelten, der niedern sichtbaren und der höhern unsichtbaren, in welcher sein durchirdische Güter und Genüsse nie zu befriedigendes Herz erst die wahre Heimat findet.Fragt ihr bei der katholischen Weltanschauung an nach dem Ziele alles menschlichenThunS und Treibens, alles Sinnens, Denkens und Strebens, alles Sorgens,-hens und ArbeitenS, sie verweist euch nicht, wie die moderne Auffassungsweise, ausdie elenden Träber der Wollust, auf etwas, was in Kurzem die Beute des Staubesund Moders wird, wohinter immer daS Gespenst des Todes euch angrinzt und Galle in den Taumelkelch der Sinnenfreude mischt, nein, die katholische Weltanschauungweist euch hinaus bis zum Throne GotteS, wo die Seraphim und Cherubim mit ver-hülltem Antlitz ihr dreimal heilig singen, wo das Hallelujah der millionenma! Mil-lionen seligen Geister ertönt; sie weist euch, ihr armen Erdenpilger, euer Ziel in derAnschauung dessen an, der der Urquell alles Lebens und aller Schönheit und allerSeligkeit ist, in der Anschauung dessen, der euch überschwenglich mebr bereichern,überschwenglich mehr an euch thun kann, als ihr zu bitten und zu denken vermöget.

Die katholische Weltanschauung macht sich dann geltend in Bezug auf diegegenwärtige Beschaffenheit des Einzelnen und des ganzen Ge-schlechtes. Wenn die moderne Auffassungsweise den Menschen an sich, den Men-schen, wie er sich gegenwärtig darstellt, für ein vollkommenes Wesen, ja für das voll-kommenste aller Wesen hält, da die unbewußte Naturkraft in ihm erst zum Bewußt-seyn kommt, nachdem sie sich in Bildung der Elemente, in Bildung der Mineralien,der Pflanzen, der niedern und höhern Thiere versucht hat, wenn die moderne Auf-fassung von der Allmacht des Menschen, von seinen großen Thaten auf dem Felde