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und damit das Recht zugesteht, daß das Volk nach Belieben sich entweder für einemonarchische oder für eine republikanische, entweder für eine konstitutionelle oder füreine demokratische Verfassung entscheiden darf; wenn die moderne Auffassung den Für-ften gar nicht zum Volke gehörig, ihn vielmehr im Gegensatze zum Volke betrachtet,wenn sie von keiner höheren Autorität als von der deS Volkes etwas weiß: so erkenntdie katholische Weltanschauung als böchsie Autorität die göttliche an, der sich Fürsten und Völker in gleicher Weise unterzuordnen haben; die Entstehung und Entwickelung,die Blüthe und der Verfall der Staaten ist, vom katholischen Standpunkte auS, keinbloß menschliches Productz nach der katholischen Weltanschauung stehen die Geschickeder Staaten unter der Leitung der allwaltenden Vorsehung; sie verlangt für alle Ein-richtungen im Staate eine religiös-sittliche, eine auf der Offenbarung ruhende Grund-lage. Nach der katholischen Weltanschauung ist die Obrigkeit von Gott eingesetzt, umdas Gesetz zu hanthaben, um Frieden und Ordnung unter den Menschen zu erhalten,um ihre zeitliche Wohlfahrt zu befördern; denn Gott ist kein Gott der Unordnung,und gottloses Wesen mißfällt ihm. Er will, daß seine Kinder auf Erden ein ruhigesund zufriedenes Leben führen in aller Zucht und Ehrbarkeit, unangefochten von denFriedensstörern, von den Ehrgeizigen und Ruhmsüchtigen, von den Hubgierigen undSchwelgern, unangefochten überhaupt von allen Knechten der Sünde.
Da nun, wie die Schrift sagt, alle Obrigkeit von Gott ist, da jeder, der sichder Obrigkeit widersetzt, der Anordnung GotteS widerstreitet und sich das Gericht zu-zieht: so verwirft die katholische Weltanschauung jece eigenmächtige Selbsthilfe, alleClubbS- und Barricadenwirthschast, und selbst dann, wenn die Obrigkeit die von Gott empfangene Gewalt mißbraucht und selbst revolutionär wird, selbst dann verlangt diekatholische Weltanschauung Gehorsam, natürlich nur einen leidenden, einen solchen,>der den Katholiken dem Despoten zurufen täßt: „Das ist dir nichl erlaubt; für deineVerletzung deS Rechtes, für deine Willkür und Grausamkeit hast du nicht nur vordem Gerichte der Weltgeschichte, sondern auch vor dem Gerichte des Allheiligen Rechen-schaft zu geben; unsere Seufzer, unsere Thränen klagen dich vor dem Herrn allerHerren an, von dem du deine Gewalt nur zum Lehen trägst." Ja, so darf der Ka-tholik, so muß er seinem Unterdrücker gegenüber sprechen; denn thäte er eS nicht, erwürde den ungerechten Machthaber in seinem Unrechte bestärken, er würde sich fremderSünde schuldig machen. Unter keinen Umständen aber ist eS nach katholischer Welt-anschauung erlaubt, offenen Aufruhr zu erregen und den gewaltsamen Umsturz desBestehenden herbeizuführen, «denn, spricht der Herr, rächet euch nicht; die Rache istmein, ich will vergelten." Die Tyrannei, den Despotismus betrachtet der Katholikallerdings als ein großeSZ Uebel, aber auch zugleich, wie jedes andere Uebel,als eine Prüfung und Heimsuchung, die über ein Volk wegen seiner Verschnlbungund zur Abbüßung seiner Sünden hereinbricht; der Katholik ehrt noch immer denDespoten, und kann er ihn nicht als den Vater deS Vaterlandes ehren, so ehrt erihn als eine Geißel GotteS , berufen zur Läuterung des sündigen Geschlechtes. Vommodernen Standpuncte auS erscheint eine solche Auffassung, welche die Revolutionverwirst und den Teufel nicht durch Beelzebub, den obersten der Teufel, auStreibenwill, nur als Sclavensinn, die christliche Demuth, Geduld und Unterwürfigkeit wirdvon der modernen Weltanschauung nur für Feigheit, Wegwerfung der Menschenwürde,ja für schmähliche Niedertracht gehalten. So stehen aus dem Gebiete deS staatlichenLebenS die heidnische und die katholische Weltanschauung einander schnurstracks entgegen.
(Schluß folgt.)
Wolfgang Menzel über die Missionen. *)
Nachdem man Misstonen in alle Weltgegenden, zu den schwarzen, gelben, rothenund olivenfarbigen Heiden geschickt hat, ist man inne geworden, daß eS auch noch in
Wolfgang Menzel ist unsern Lesern als ein angesehener Historiker und Kritiker, alsRedacteur des frühern Litcraturblattes zum Morgenblatt gewiß bekannt. Er ist au» Ueberzeugung