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Armee nach Rom zu schicken, um den Papst in alle seine Rechte wieder einzusetzen'und die stolzen CitoyenS, die ihren König vertrieben, knieten und senkten ihre Trico-lore vor dem Oberhirten der Kirche.
(Fortsetzung folgt.)
Die katholische Weltanschauung.
(Schluß.)
Die katholische Weltanschauung macht sich weiter auch auf dem GebietedeS Schulwesens geltend. Wenn die moderne Weltanschauung dem Grundsatzeder Theilung, Trennung und Auflösung des Zusammengehörigen unverkennbar huldigt;wenn sie eS ganz in der Ordnung findet, daß von der einen heiligen allgemeinenKirche im Laufe der Jahrhunderte größere und kleinere Religionsgesellschaften ausge^schieden sind; wenn sie es nicht ungern sieht, daß die von der Kirche ansgeschiedenenGenossenschaften sich mehr und mehr zerbröckeln und auf das Leben allen Einfluß ver-lieren; wenn die moderne Weltanschauung redlich das Ihre dazu beigetragen hat, daßdie geistlichen Kongregationen, die Klöster und Orden aufgehoben worden sind, daßdie weltlichen Corporationen, die Gilden, Innungen und Mittel in ihrem frühern festenZusammenhange nicht mehr bestehen und daß von einer Bürgerschaft im alten Sinnedes Wortes nicht mehr die Rede ist; wenn der modernen Weltanschauung jeder größereGrundbesitz, jedes ererbte oder aufgesammelte Vermögen, ja wenn ihr selbst die Fami-lienverbindung und die eheliche Gemeinschaft zuwider ist; wenn sie also Alles theilen,Alles, was noch Halt hat, parcelliren und zertrümmern möchte: dürfen wir uns dawundern, daß sie auch ein Gebiet des Schulwesens nach dem andern, zuerst dieUniversitäten, dann die Gymnasien und hierauf die Realschulen von der Kirche getrennthat und baß sie uun auch das letzte Gebiet noch, nämlich die Volksschulen, losreißenmöchte? Der modernen Weltanschauung steht auch hier die katholische schnurstracksentgegen.
Die katholische Kirche ist eine erhaltende, eine einigende Macht; sie ist auf allenGebieten des Lebens, wie es das große Buch der Geschichte auf jeder Seite bekundet,aller Trennung, Vereinzelung und Auflösung des Zusammengehörigen abhold; undwenn es sich namentlich um die Entfremdung der Volksschule handelt, so betrachtetsie diese Angelegenheit als eine Lebensfrage und setzt Alles daran, daß die Elementar-schule, die ganz allein ihr Werk ist, ihr nicht entrissen werde; denn die Elementar-schule ist diejenige Anstalt, in welcher ja der junge Nachwuchs der Menschheit durchdie christliche Lehre zu einem edlen menschenwürdigen Daseyn herangebildet und fürden Eintritt in die Gemeinde der Erwachsenen vorbereitet wird. Wie könnte demnachdie Kirche die Elementar- oder Volksschule ihren liebenden Mutterarmen entwindenlassen und sie uiichristlichcn Einflüssen überliefern? Nein, nach der katholischen Welt-anschauung muß die Schule in innigster Verbindung mit der Kirche bleiben, nach derkatholischen Weltanschauung muß die Schule auch wieder eine naturgemäße Unterrichts-verfassung erhalten. Die Religion muß in ihr das Alles belebende, und der Sprach-unterricht, der für das Verständniß der christlichen Lehre vorbereitet, muß das Allesverbindende Element seyn. Aller bisherigen Trennung und Zersplitterung der Lehr-zweige, aller Zerflossenheit nnd Zerfahrenheit, worunter die Schule noch sehr leidet,allem bunten unv schillernden Vielerlei, wobei man oft vor Bäumen den Wald nichtsieht, allem bloßen unfruchtbaren Wissen, allen pädagogischen Daumschrauben undTorturen, durch die man aus den armen Kindern herauskatechisiren, d. h. herauS-pressen wollte, was noch Niemand in sie hineingelegt hatte; allem bloßen Abrichtenund Zustutzen für die Zwecke des irdischen Lebens muß Einhalt gethan werden. Diekatholische Weltanschauung will allerdings, daß ein verständiges, geistig regsames,für'S irdische Leben taugliches, aber auch ein frommes, gehorsames, sittsames, fürdaö ewige Leben heranblühendes Geschlecht in den Schulen des Landes gebildet werde.