Ausgabe 
11 (26.1.1851) 4
Seite
30
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

30

als eine unthätig klagende, als eine trostlos jammernde uno trübselig stöhnende: demkatholischen Standpuncte ist nichts mehr zuwider als Kopfhängern und Duckmäuserei.Freilich ist uusere Weltanschauung der modernen gegenüber eine ernste und besonnene,aber dabei ist sie auch eine heitere und fröhliche, das zeigt sich insbesondere beiunserm herrlichen und sinnvollen Gottesdienste. Wohl blicken wir inden geweihten Stunden unsers Lebens mit tiefer Wehmuth auf die eigene und fremdeSündenschuld, aber diese Wehmuth treibt uns nicht zur Trostlosigkeit oder gar zur >Verzweiflung; denn über der Erbsünde, deren Folgen allerdings auf uns so schwerlasten, übersehen wir nicht das Erbverdienst, das der Heiland uns erworben, überden Versuchungen und Fallstricken, die unserer Tugend, unserm Seelenfrieden drohen,übersehen wir nicht die herrlichen Gnadenmittel, die der Erlöser zum endlichen Siegeüber daS Reich der Finsterniß uns hinterlassen; wir betrüben uns wohl über denSünder, der vom Pfade des Heils abgewichen, aber wir erblicken in ihm nur einenVerlornen Sohn, der jeden Tag wieder in sich gehen, jeden Tag wieder in die geöff-neten Arme deS liebenden Vaters zurückkehren kann, und wir freuen uns, gleich denEngeln im Himmel, mit unaussprechlicher Freude, wenn der Jrrgegcmgene nuu wiederim Vaterhause aufgenommen wird. Wir stimmen allerdings oft genug das Miscrerean, wir rufen mit bewegter Seele dasHerr, erbarme dich unser!" aber wir singenauch gar bald mit frohem Sinn das Kloris in oxeelsis vsc», wir vergessen nicht deSfrohlockenden Hallelujahs. Wir stimmen, wenn wir auch Adams Schulv tief bekla-gen, doch im Hinblick auf Christus, den zweiten vollkommenen Avam, in den Freudenrufver Kirche ein:O glückliche Schuld Adams, die einen solchen Erlöser uns brachte!"Darum ist denn der katholische Gottesdienst auch ein so heiterer, darum müssen dieschönen Künste: Malerei, Bildhauerei, Baukunst und Tonkunst ihre trefflichsten Er-zeugnisse dem Dienste des Heiligen weihen, um das katholische Gemülh über denJammer der Erde mächtig emporzuheben, und das Herz in der Gemeinschaft mit demim Gcheimniß seiner Liebe gegenwärtigen Heilande jene Seligkeit ahnen zu lassen, dienoch kein Auge gesehen, die noch kein Ohr gehört, die noch in keines Menschen Herzgekommen. Darum steigen in unsern Kirchen Weihrauchwolken empor und erfüllendeS Gotteshauses Räume mit Wohlgeruch; darum flammen, als Sinnbilder freudigerLiebe, zahlreiche Kerzen auf unsern Altären; darum strahlen die Gewänder unsererPriester beim heiligen Dienste in seltener Farbenpracht; darum ergießen sich die Klängeder Orgel, die Harmonien der Instrumentalmusik vom hohen Chöre auf die Andäch-tige» herab und versetzen sie in eine froh bewegte Stimmung; darnm öffnen die Gläu-bigen ihren Mund nicht zu düstern, schwerfälligen, langgezogenen Chorälen, die stetswie Grablieder klingen, sondern zn heitern, gefälligen, beflügelten Sangweisen; denndie Gläubigen sind in ihrem Gott vergnügt und der in Gott Vergnügte stöhnt undjammert nicht.

Das, l. V. G., ist die katholische Weltanschauung, die sich geltend macht beiallen Grundfragen deS Lebens, die in eigenthümlicher Weise das Verhältniß der Men-schen zu Gott und das Verhältniß der Menschen unter einander auffaßt, die in derErziehung, bei der Goltesverehrung, allüberall folgerichtig immer denselben Stand-punct behauptet, ja die bei einzelnen, scheinbar Zusammenhangs losen Vor-kommnissen oft gerade am augenfälligsten sich bethätigt. Wir habenetwas der Art in der jüngsten Zeit erlebt, und gerade bei diesem Erlebniß hat sichdeutlich herausgestellt, wie verschieden unsere Auffassungsweise ist nicht bloß von jenerder Religionsverächter, sondern selbst von der der gläubigen Protestanten. Siehe,weit jenseit der Berge, weit hinter den deutschen Mittel- und Hochgebirgen, im fernenItalien , in einer Stadt am Tiberstrande wählt ein, wie behauptet wird, fremderPriester, unkundig unserer Sprache und unserer Sitten, ein, wie es scheint, macht-loser Mann, den die Bewohner der eigenen Stadt im vorigen Jahre von seinem Sitzevertrieben und den in diesem Jahre Fremde erst wieder zurückgeführt haben dieserMann wählt und ernennt sich Rathgeber und Gehilfen in Deutschland , in dem Lande,daö die Italiener sonst als ein barbarisches zu bczuchnen pflegten. Und auch unser