31
Bischof ist unter diesen erwählten und ernannten Rathgebcrn, und es zeigt sich nunallerdings: unser Bischof muß in dem Lande jenseits der Berge wohl gekannt seyn, ermuß auch in jener Ferne Vertraue » besitzen; eS zeigt sich, dem Bischöfe soll einegewisse Ehre angethan werden: aber was hat er von dieser Ehre; was ist an derganzen Geschichte gelegen, was geht sie insbesondere uns an, die wir uns um ganzandere Sachen zu kümmern und unsere ganze Aufmerksamkeit jetzt auf die Frage zurichten haben: Ob Krieg, ob Frieden? So kann man von einem gewissen Stand-puncte auS allerdings fragen und so hat man auch vielfach gefragt. Aber von diesemordinären unkatholischen Standpuncte ist der katholische Standpunct himmelweit ver-schieden.
Vom katholischen Standpuncte aus erscheint jene Stadt am Tiberstrande, daSewige Rom, als das Centrum der Kirche Gottes in allen Theilen der Welt, und derPriester in Rom ist uns kein fremder, es ist PiusIX. , der um das Wohl der ihmanvertrauten Heerde rastlos besorgte, schwer geprüfte heilige Vater, der StatthalterChristi auf Erden, der Nachfolger des heiligen Petrus, zu welchem der Herr sprach:„Weide meine Lämmer, weide meine Schafe, weide alle meine Gläubigen auf denAuen des ewigen Lebens!" Und die Ehre, die unserm Fürstbischof dadurch wider-fahren, daß er zum Cardinal, zum Rathgeber des heiligen Vaters, zum Fürsten derrömischen Kirche ernannt und als solcher mit dem Purpur geschmückt worden, dieseEhre geht uns Alle an; denn wir stehen mit unserm Bischöfe in der innigsten Liebes-und Lebensgemeinschaft, so daß seine Ehre die Ehre der Diöcese, unser aller, eigeneEhre ist. Und ferner: dadurch, daß sich der heilige Vater drei deutsche Bischöfe aufeinmal als seine Berather zugesellt und sie in jenes Collegium aufgenommen hat, dasihm am nächsten steht, dadurch ist ein neues Band der Liebe zwischen Deutschland und dem Mittelpuncte der katholischen Einheit geknüpft worden; herrlich stellt sich dadurchheraus, daß auch unser Geschick der heilige Vater liebend aus seinem Herzen trägt,daß auch das zerrissene, zerwühlte Deutschland ein Gegenstand seiner Vatersorge ist.Die eigenen Söhne haben mit dem edlen Vaterlande, das aus allen Wunden blutet,kein Mitleid; sie machen eS zum Spott der Nachbarvölker, aber der Mann jenseitsder Berge, der ein fremder Priester, ein auswärtiger Oberer genannt wird, er hatmit unsern Zuständen das innigste Mitleid, er ehrt Deutschland, das die Deutschen entehren; er betet für Deutschlands Wohl, er hegt das sehnende Verlangen, daß eSunter uns besser werde: darum thut er, was er nur immer thun kann.
Freilich, Andere werden bei der Auszeichnung, die einem ihrer kirchlichen Vor-steher von ferne her zu Theil w rd, nicht laut aufjubeln, sie werden ihre Wohnungennicht erleuchten, nicht mit rauschender Musik, mit wehenden Fahnen, mit glänzendenAbzeichen und mit Hunderten von farbigen Lichtbällen in langen Reihen daherziehen,um dem gefeierten Manne den Tribut ihrer Huldigung zu bringen; sie werden nichtdie Flammen ihrer Liebe auf die Thürme ihrer Kirchen tragen, damit diese Flammenweit hinausreichen in die trübe Novembernacht und allen Umwohnenden verkünden,was sich Ungewöhnliches in Breslau begibt; mit einem Worte: sie werden nicht thun,was wir gethan haben, und warum nicht? Nicht, weil es ihnen dazu an Mittelnfehlte: o, sie haben über ganz andere Mittel zu gebieten, als wir armen Katholiken;auch nicht, weil es ihnen an Opferwilligkeit gebräche: sie beweisen diese genugsambei andern Gelegenheiten: nein, sie thun nicht, was wir gethan haben, einzig auSdem Grunde, weil sie nicht unsere Anschauungsweise theilen, weil sie das Verhältnißzu ihren Predigern, zu ihren kirchlichen Vorstehern ganz anders auffassen; diese sindihnen ganz etwas Anderes, als uns der Bischof und der Papst ist.
Hier habe ich Ihnen nun, l. V. G., an einem einzelnen scheinbar zusammen-hangslosen Falle nachgewiesen, daß wir Katholiken in der That eine eigenthümlicheAnschauungsweise haben und aaf diese dürfen wir stolz seyn; denn wenn nach ihrAlles in der Welt sich gestaltete: c cnm würde die Sünde und mit der Sünde würdenNoth, Jammer und Elend immer mehr verschwinden, das Eigenthum, der gute Ruf,das Familienglück, das Wohl l cr Gemeinden, die öffentliche Ordnung, die Ruhe der