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christkatholisch, d. h. gebaut auf Christum und gefestiget in Christo, dem Grund-stein und Unterpfande unseres Heiles und alles HcileS; und Römischkatholisch,d. h. geeinigt in Glaube, Liebe und Gehorsam mit dem heiligen römischen Stuhle,dem Mittelpuncte der Einheit; und treu anhänglich und verbunden, wie die Gliederdem Haupte, dem heiligen Vater, Christi Stellvertreter in seiner Kirche, welcher istPetrus , und Petri Pachfolger. Und wie dieß von den deutschen Katholiken'dieserLande, so gilt eö auch in nicht minderem Grade von der ihnen beigemischten slavischenBevölkerung, deren Eifer und Treue in Bewahrung ihres angestammten katholischen Glaubens und darum auch in Bewahrung ihrer Gemeinschaft mit dem heiligen römi-schen Stuhle weltbekannt ist und meines LobeS nicht bedarf.
Weil nun diese innige Verbindung und Gemeinschaft das Zeichen und die Bedin-gung ist des katholischen Lebens, so kann die heutige Feierlichkeit, welche mich, denHirten dieses weiten Sprengels und der darin wohnenden beiderlei Bevölkerungen, indie erhabene Genossenschaft der Cardinalpriester der heiligen römischen Kirche erhebtund so dem höchsten Kirchenoberhaupte noch näher stellt, sie kann, sage ich, in derweisen Absicht des heiligen VaterS nur dazu dienen, den katholischen Glauben unddas katholische Leben dieser Lande zu bewährZn,' zu stärken und zu erfrischen; undwem, sie dieß wirklich durch Gotteö Gnade in unS Allen bewirkt, fo ist das gewißder würdigste, gottgefälligste und auch dem heiligen Vater angenehmste Dank.
Wohlbedacht aber und mit Absicht, meine Geliebten, spreche ich von katholischemGlauben und katholischem Leben. Denn eS gibt ja leider einen Glauben ohneWerke, ohne Liebe, den der Apostel einen todten Glauben nennt; einen katholischen Glauben, den ein unchristliches Leben Lügen straft; einen katholischen Glauben, deraussieht, als lebte er, und ist doch eine Leiche in übertünchten, Grabe, dessen Moder-geruch ein Gräuel ist vor Gott . ES steht auf dem Acker der Kirche unter dem gutenWeizen eine Menge Unkraut, daö der Herr mitwachsen läßt bis zum Tage der Ernte,wo eS inS Feuer geworfen wird. Also durch den bloßen Namen katholisch sindwir noch nicht gesichert; noch auch durch jenen falschen Glaubenseifer, der selbst denPharisäern nicht fehlte, die sich als Abrahams Kinder rühmten, eS dem Fleische nachauch waren, und denen doch der Herr sagte: daß ihnen Abrahams Werke fehlten,daß sie des Teufels Kinder seyen; was sie bewiesen, da sie den Sohn Gottes an'sKreuz schlugen. Solcher aber kann auch unter uns noch geschehen; denn der ApostelPaulus spricht auch von entarteten, ihres Namens unwürdigen Christen, die einjeder für sich den Sohn Gottes auf ein Neues kreuzigen und ver-spotten. Von Euch aber, Geliebteste, füge ich mit dem Apostel hinzu,, ver-sehe ich mich eines Besseren und daß Ihr nahe dem Heile seyd, ob-gleich ich so rede. Denn Gott ist nicht ungerecht, daß er vergessensollte Eures Thuns und Eurer Liebe, die Ihr gegen seinen Namenbewiesen habet, da Ihr den Heiligen dientet und dienet.
Ja, meine geliebten katholischen Schlesier, Ihr habet katholische Liebe bewiesen,als Ihr auf meinen Aufruf dem damals so schwer bedrängten, vertriebenen und seinerHilfsmittel beraubten heiligen Vater Eure Liebesgaben darzubringen mit jedem andernkatholischen Lande der Erde rühmlich wetteifertet.
Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als HungerSnoth und Seuche einen Theilder Provinz heimsuchten, und Ihr Euch beeiltet, den Verschmachtenden rettend beizu-springen mit reichen Gaben und leiblicher Hilfeleistung.
Ihr habet katholische Liebe bewiesen, als ich Euch erst jüngst ermunternd auf-rief, die Tausende von hinterlassenen Typhus'Waisen an Euren Familienherd aufzu-nehmen, und an ihnen Vater- und Mutterstelle um Christi willen zu vertreten, undals sogleich auch Tausende unter Euch um solchen Liebesdienst sich wetteifernd bewar-ben. Und Ihr, geliebte Oberschlesier, habet katholische Liebe und Selbstbeherrschungbewiesen, als Ihr vor mehreren Jahren auf den Weckruf Eurer eifrige» Seelsorgerwie Ein Mann Euch heldcnmüthig aufrafftet, um die Sündenfessel einer, so Vielenzur andern Natur gewordenen Gewohnheit, deö Branntweintrinkenö, abzustreifen,