3K
und als Ihr unter dem Schutze der heiligen Jungfrau Euch verpflichtetet, einemtäuschenden Genusse zu entsagen, der so unwürdig des christlichen Namens, so ver-derblich für Seele und Leib, so zerrüttend für Euer ganzes Glück und Wohlseyn war.
Die Welt staunte, als in einem Jahre Eure beldenmüthigc Enthaltsamkeit dieBranntweinsteuer in Schlesien um eine halbe Million verminderte, und Euer edlerKönig freute sich eines solchen Ausfalles in dem Staatseinkommen. Beharret dennin Eurem hochflnnigen Entschlüsse! Auch der heilige Vater, dessen bekümmertem Herzenich die Kunde von Eurer schönen frommen Selbstüberwindung zu seinem Troste nichtvorenthalten habe, auch er blickt mit freudiger Theilnahme auf Euch und segnet Euchzum muthigen Beharren.
Ihr Alle, geliebte katholische Schlesier, habet katholische Treue bewiesen, alsIhr vor mehreren Jahren der Lästerstimme des Hohnes und Spottes gegen Eureheilige Kirche, und der Stimme der Verlockung zum Abfalle von ihr, standhaft Gehörversagtet, und Euch dadurch nur zu neuer Belebung und Bewährung Eures kirchlichenSinnes wecken und anspornen ließet.
Und wiederum habet Ihr katholische Treue bewiesen, als Ihr vor nicht so lan-ger Zeit, in den Tagen des politischen Schwindels und falschen Freiheitswahnes,nicht vergaßet, Gott waS GotteS , und dem Könige was des Königs ist, zu geben,eingedenk, daß wir katholische Christen der rechtmäßigen Obrigkeit nicht auS Furchtoder Augendienerei, also nur so lange sie stark und wachsam ist, gehorchen, sondern,um des Gewissens und um Gotteswilleu, auch in den schweren Tagen der Prüfungund Versuchung zu ihr stehen, wenn Unterthanentreue Opfer fordert und die Widersetz-lichkeit ungestraft bleiben, der Treubruch wohl gar auf Beifall und Lohn hoffen darf.
Ihr habet Eure katholische Gesinnung bewiesen und beweiset sie täglich, indemIhr, in Mitte von Nebenmenschen und Mitbürgern verschiedenen Bekenntnisses lebend,bei aller treuen Anhänglichkeit an Euren Glauben und Eure Kirche, doch die christ-liche Liebe bewahret, welche alle Menschen ohne Unterschied umfaßt, und nach derausdrücklichen Lehre des Herrn sich vor Allen gegen unsere Nächsten d. h. gegen die-jenigen, in deren Mitte Gott uns gestellt hat, in Geduld, Mitleid und theilnehmen-der Hilfe offenbart, und, so viel an ihr ist,'den Frieden bewahret mit Jedermann.
Ihr habet mir persönlich Eure ächtkatholische Gesinnung bewiesen, als Ihr vornun fast sechs Jahren mich, den Euch unbekannten Fremdling, weil Eure berechtigtenWahlherren in rechtmäßiger Wahl mich erkoren und der heilige Vater iiese Wahlbestätigt und den Widerstrebenden im Gehorsam als Euren Bischof zu Euch gesendethatte, mit aller Liebe und Freude und mit allein Vertrauen als von Gott gesendetunter Euch aufnähmet.
Ihr habt mir Eure katholische Liebe uud Treue für Eure Kirche von da anfortdauernd und namentlich dann bewiesen, so oft Ihr mich und so oft Ihr meinenbischöflichen Stellvertreter auf unsern kirchlichen Amtsreisen mit Ehren- und Freuden-bezeugungen weit über unser Wünschen und Erwarten willkommen hießet, und unsin rührender Weise mit Eurer beglückenden Liebe umgäbet. Ich allein habe in diesemJahre mehr als fünfzig Tausenden von Euch, Alt und Jung, in Spendung des hei^ligen Sacramentes der Firmung die segnende Hand auf das Haupt gelegt, und Augein Auge aus fürbittendem Geiste einen weihenden Blick in ihre Seelen gesenkt beidem heiligsten Acte der Firmung; und ich habe oftmals aus Euern gläubigen andäch-tigen Blicken eben so viel an Erbauung und nicht selten tiefer Rührung empfangen,als mir zu geben vergönnt gewesen seyn mag.
Und Ihr, meine geliebten priesterlichen Mitbrüder, habet nicht bloß bei allendiesen kurz erwähnten Anlässen und Gelegenheiten Euere katholische Liebe und priester-liche Treue dadurch bewährt, daß ihr Euere anvertrauten Gemeinden zu solchen Kund-gebungen ihrer kirchlichen Gesinnung durch Euer Wort anregtet unv durch Euer vor-leuchtendes Beispiel ermuntertet, sondern vorzüglich dadurch, daß Ihr den ächtenGlaubensgrund, aus welchem allein solche edle Früchte erwachsen, in den HerzenEurer Anvertrauten mit aller Sorgfalt Pflegtet, und schon in die zarten Seelen der