Ausgabe 
11 (2.2.1851) 5
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Kinder mit treuer reiner Hand die göttlichen Keime einsenktet, welche unter dem Thaueder Gnade sich entfallend, das Himmelreich auf Erden: Gottesfurcht, Gerechtigkeit,Gewissenhaftigkeit, Liebe und Treue, fortpflanzen und dem ewigen Himmelreiche hoff-nungsvoll entgegenreifen.

Sehr Viele von Euch haben insbesondere ihren treuen kirchlichen Sinn auchganz kürzlich dadurch bewährt, daß sie in großer Anzahl und so viel die Umstände eSgestatteten, an den mehrtägigen geistlichen Uebungen bereitwillig Theil nahmen, welchezur Erneuerung des priesterlichen SinneS, zur Wiedererweckung der ersten Liebe undBerufsbegeisterung so sehr geeignet, daher von der katholischen Kirche so hoch empfohlen,und gewiß auch dießmal an allen Theilnehmenden reich gesegnet gewesen sind.

Alle diese Erweisungen Eurer katholischen Liebe und Treue, deren ich mich inund für Euch, wie der Apostel in seinen Corinthern, rühmen, und mit ihm michfreuen darf, daß ich mich in Allem auf Euch verlassen kann: sie sind eSohne Zweifel, die mir eine so unverhoffte, seltene kirchliche Ehrenauszcichnung, wiedie heut empfangene, eingetragen; und darum sage ich mit Wahrheit und aus innigerUeberzeugung, daß dieselbe in der weisen huldreichen Absicht deS heiligen Vaters EuchAllen insgesammt gilt und gemeint ist. Ihr müsset alSdann aber und werdet mirauch helfen, sie würdig und ehrenvoll vor Gott und der Kirche zu tragen; damit sienicht an mir und Euch zu Schanden werde.

Und so möge denn daS Purpurgewand, womit ich heute bekleidet worden bin,durch die Gnade Dessen, der aus Liebe für uns sich in einem Purpurmantel hatverspotten lassen, ein rechtes Ehrenkleid für mein BiSthum und für mich selber werden!

Es sinnbildet in seiner rothen Farbe die im Blute des LammeS gewaschene Stole,welche die Seligen kleidet, die da Macht erhalten zum Baume des LebenS und durchdie Thore eingehen in die ewige Stadt. ES sinnbildet das Feuer der Liebe, welchesChristus auf der Erde anzuzünden gekommen ist, und welches er am Pfingstfest aufseine Apostel herabgesendet hat, daß sie und ihre Nachfolger eS auf dem heiligenOpferaltarc der Kirche hüten und fortleuchten machen bis an's Ende der Tage. ESsinnbildet das Opferblut der Märtyrer, welches von dem Fortglühen dieses göttlichenLiebeSfeuers in der Kirche Zeugniß gibt durch alle Jahrhunderte hindurch, seit demersten Erzmartyrer Stephanuö bis herab zu dem ehrwürdigen Erzbischofe, der aufden Pariser Barricaden Die verheerende Glut des Bürgerkrieges mit seinem Blute zulöschen brannte.

Zu gleicher Opferwilligkeit, Geliebte, wollen auch wir mit Gottes Gnade unSermannen; dasselbe heilige Feuer wollen auch wir in unserer Brust, wir Priester vorAlle», treu hüten, vor dem Erlöschen und vor unreinem Qualm und Rauch bewah-ren, und durch das willig herzugetragene Kreuzholz der pflichttreuen Selbstverläugnungimmer Heller anfachen, damit unS einst, nach überstandenem Kampfe, die Stole derGerechtigkeit schmücke und uns der Lohn werde, den der Herr denen verheißen hat,die Ihn lieben.

Bis dahin wollen wir mit unserer heiligen Kirche, und in diesen Tagen voll un-seliger Verwirrung und banger Ahnvung inbrünstiger als je, zu dem Allmächtigen flehen:O Gott, von dem allein kommt alles heilige Verlangen, alles rechteBeginnen, alles gerechte Thun: gib unS deinen Dienern jenen Frieden, dendie Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinen Geboten ergeben,und nach Beteiligung aller feindlichen Schrecknisse, unsere Zeitläufe unterdeinem Schutze ruhig seyen; durch Jesum Christum unsern Herrn!(Folgt die Fastenordnung für das kommende Kirchenjahr.)

Wolfgang Menzel über die Missionen.

(Fortsetzung.)

Seit dem Anfange des Jahrhunderts hatte sich am Rheine eine liebliche undverhängnißvolle Erscheinung gezeigt, die Romantik als Vorbotin der kirchlichen Wieder-