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Versöhnung und des Friedens hat dieser wahrhaft christlich deutsche Geist des ober-rheinischen Kirchenhirten und seiner Räthe jetzt erst die ihm gebührende Genugthuungin der reumüthigen nnd freiwilligen Buße der verführten Heeroe gefunden. Hätteman, anstatt mit dem Radikalismus zu liebäugeln, dem Erzbischofgefolgt, eS wäre im Oberlande nicht so weit gekommen.
Auch anderwärts, auch auf rein protestantischem Gebiete, trifft frühere Regie-rungen der Borwurf, den Unglauben beschützt und die Gläubigen bedrückt zu haben.Regierungsrescripte waren es häufig, die sich zum Jubel der destructiven Partei zwi-schen das fromme Volk und seine Priester drängten und jenen conservativen Gesinnun-gen Hohn sprachen, welche sie um jeden Preis hätten ehren und Pflegen sollen. Einguter Theil jener ältern absolut unklugen Rcgierungsmaaßregeln läßt sich zwar aufRechnung juristischer Beschränktheit setzen und findet seine Erklärung in demherkömmlichen, den meisten Juristen und Bureaukraten zur andern Naturgewordenen Facultätswiderwillen gegen Alles, was sie Pfaff uud Scbwarzrock heißen;allein die Regierungen sollten überall so viel höhern staatsmännischen Geistbewährt haben, um solche kleinliche Standpuncte tief unter sich zu lassen.
(Schluß folgt.)
Die erste deutsche Capelle in Paris .
Am 8. December, dem Tage der Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria,wurde in Paris ein großes Fest gefeiert, nämlich die Einweihung der ersten deutschenCapelle in Paris . Es ist den angestrengten.Bestrebungen des Obern des „deutschenWerkes" gelungen, in so weit Geldmittel zu sammeln, daß die cit6 Lüsi-rguci gemie-thet werden konnte. Der P. Chable wandte sich demnächst an die erzbischöfliche Be-hörde um die Erlaubniß, in diesem Gebäude eine vorläufige Kirche einzurichten. Ererhielt darauf folgendes Antwortschreiben: „Die nachgesuchte Erlaubniß, zuvördersteine Capelle und später eine Kirche ausschließlich für die Deutschen im Mittelpunctezwischen der kleinen Billette, Belleville , Faubourg St. Martin und La Chapelle, undzwar auf Ihre Kosten, durch fromme Beiträge und Subscriptioncn, die Sie erhaltenkönnen, errichten zu dürfen, ist Ihnen hiermit ertheilt. Seine erzbischöflichen Gnadenwürden sich äußerst freuen, wenn dieß gute Werk so bald als möglich zur Ausführungkäme, weil er sich lebhaft für die Deutschen seiner Diöcese interessirt. Paris , 30. Nov.1850. Gez. Bautain, Generalvicar." — Ein anderes eigenhändiges Schreiben desHerrn Erzbischofs von Paris vom 6. Dec. 1850 beauftragt den Herrn P. Chable,„die neue deutsche, dem heil. Jos.ph und dem heil. Franciscus XaveriuS geweihteCapelle rue äe Ueaux Nr. 12 zu benediciren." So war denn der 8. December zudieser Feier festgesetzt. Acht Tasie vorher war das Haus gemiethet, Arbeiter bestellt,um im ersten Stock einige Arbettssäle durch Einrcißcn der Zwischenmauern zu verbin-den, und das Nöthigste zur Herstellung einer Capelle zu vollenden. Tag und Nachtward gearbeitet, und am Vorabende des Festes war das bescheidene Gotteshaus fertig.Um 9 Uhr begann die Feier. Der P. Chable weihte die Capelle ein und hielt amSchluß im Wesentlichen folgende Anrede: „Jetzt seyd Ihr zu HausI Bisher konntetIhr kein Plätzchen Euer eigen nennen, jetzt habt Ihr eine Wohnung. ES ist freilicheinstweilen nur eine arme Werkstätte, wie die des heiligen Joseph, unter dessen Schutzich sie stelle. Aber bedenkt, daß die tiefsten und ersten Anbetungen dem Heilande ineiner solchen Werfftätte wurden. Es ist nur eine Hütte, wie die des heiligen FranzXaver ; aber diese Hütte verwandelte sich später in die prachtvollsten Kirchen, die demHeiligen geweiht wurden. Aber was habt Ihr nun zu thun? Gott für seine Gabezu danken. Und das thut Ihr, wenn Ihr fleißig zur Kirche kommt und eben sofleißig die Gebote GotteS und der Kirche befolgt." Darauf begann die Messe unterBegleitung der gewöhnlichen deutschen Meßlieder; und am Schluß wurde mit freudi-ger Begeisterung „Großer Gott, wir loben Dich" gesungen. Den Anwesenden theilte