Ausgabe 
11 (9.2.1851) 6
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wigSburg eine Ansprache an die Gemeinden, worin sie zur fleißigen Sonntagsfeier,als einer Quelle großer Vortheile, aufmuntern, und alle einladen, zu diesem schönenZwecke etwas beizutragen. In großartiger Weise ist dann in Frankreich durch denGrafen Montalembert, den großen Vorkämpfer des Katholicismus in jenem Lande,die Nothwendigkeit eines Gesetzes über die SonntagSfeier in der Nationalversammlungdargelegt worden.

Die Heiligung des SonntageS ist kaum zu einer Zeit so mit Füßen getretenworden, wie in der gegenwärtigen. Und doch ist eS ein göttliches Gebot, welchesvon dem Herrn kräftigst ist eingeschärft worden.Sehet zu, sagte Gott durch MoseS ,daß ihr meinen Sabbat haltet; denn er ist ein Zeichen zwischen mir und zwischen euchin euern Geschlechtern, auf daß ihr wisset, daß ich der Herr bin, der euch heiliget."(Erod. 31, 13.)Die Festtage sollt ihr nicht entheiligen," schreibt der heil. Ma»tyrer JgnatiuS an die Philippenser. Und der große Papst GregoriuS sagt:AmSonntage soll man von irdischer Arbeit abstehen und auf alle Weise im Gebete ver-harren, damit, wenn in 6 Tagen eine Nachlässigkeit begangen wird, dieselbe amTage der Auferstehung deS Herrn durch Gebete gesühnt werve."

Der Herr selbst legt auf die Beobachtung dieses Gebotes großes Gewicht undhat die Uebertreter desselben mit schwerer Straft bedroht.Wer ihn (den Sabbat)entheiliget, der soll des TodeS seyn: wer an demselben ein Werk thut, dessen Seelesoll ausgetilgt werden aus ihrem Volke." (Erod. 31, 14.)Von denjenigen, sagtder heilige Augustin, welche, in allerlei Sorgen und Geschäfte verwickelt, diesesGebot GotteS verachten, und der Betrachtung göttlicher Dinge keine Zeit schenkenwollen, fürchte ich, daß ihnen der Herr, wenn sie beim künftigen Gerichte an seinerThüre anklopfen und begehren werden, daß man sie ihnen öffne, alsdann zur Ant-wort geben werde:Wahrlich ich sage euch, ich kenne euch nicht. Weichet von mirihr alle, die ihr Ungerechtigkeit ausübet."" Und die eS jetzt versäumen Gott zu suchen,werden alsdann von ihm verabscheut. Deßwegen, meine Brüder, soll es euch nichtbeschwerlich fallen, an den Sonntagen und Festen der Heiligen dem Gottesdienste zuobliegen."

O würde dieses Gebot immer gewissenhaft befolgt worden seyn, wir befändenuns gegenwärtig nicht in Zuständen, die in vieler Hinsicht beklagenSwcrth sind. Wieviel Gutes würde gewonnen, wie viel Böses verhindert, wenn diese Tage heiligbegangen würden. So aber sind es gerade die Feiertage, an denen das Laster diemeisten Siege über die menschliche Schwäche und Verkehrtheit davonträgt. So wirdnicht bloß der Zweck des göttlichen Gebotes Erhebung des Menschen zum Gött-lichen nicht erreicht, sondern gerade das Gegentheil davon häufig erzielt.

Es ist also Zeit, daß man die Wichtigkeit dieses Gebotes erkenne. Diese Er-kenntniß ist der Anfang zu bessern, glücklichern Zuständen. Die Vorsehung, welcheAlleS lieblich anordnet, erweckt jetzt in verschiedener Weise den Gedanken an diewürdige Feier der Festtage, und zeigt unS hierin ein Hauptmittel, um den sittlichenGebrechen unserer Zeit abzuhelfen. Der Rohheit, der Unwissenheit, dem Unglaubenund den hieraus entspringenden Lastern, wodurch sollte ihnen anders begegnet werden,als durch die andächtigen Gebete, frommen Uebungen und den christlichen Unterrichtan den heiligen Tagen? ES möge daher dieser Punct der rechten Heiligung derFeiertage bei unsern ehrwürdigen Oberhirten alle Aufmerksamkeit finden. Es mögenalle Seelsorgsgeistlichen in ihren Gemeinden vorzüglich eine wahre und christliche Feierdes SonntageS zu erzielen suchen, durch öftere Belehrung hierüber, durch erhebendeFeier des Gottesdienstes, anziehende Verkündung des göttlichen Wortes, durch fleißigeSpendung der heiligen Sucramente und passende NachmittagSandachten. Wahrlichein Geistlicher würde seinen Beruf schlecht verstehen, der nicht begreift, daß der Sonn-tag der Tag des größten geistigen Gewinnes für die Gläubigen seyn kann, wenn manes an denselben an Eifer und Thätigkeit nicht fehlen läßt.

Bekommen die Leute Geschmack und Freude an religiösen Uebungen, so wirdder übermäßige Hang zu sinnlichen Lustbarkeiten bezähmt und vermindert, und damit