Ausgabe 
11 (9.2.1851) 6
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an die Gottheit Christi und an das offenbarte Wort glaubte. Ueber dieser rationali-strten Menge aber in den höheren Schichten der Bildung und Gelehrsamkeit wurdefolgerecht der Haß gegen positives Christenthum noch entschiedener und systematischer.Je hoher die Gaben des Geistes, um so weniger kann er neutral bleiben. Er mußganz für oder ganz wider Christum seyn, daher die antichristliche Strömung deSGeistes auf den deutschen Universitäten und in der deutschen Presse auf rcm von Hegel angebahnten Wege mit rapider Geschwindigkeit dem Abgrunde des Atheismus undCommunismus zuführte. Die Lehre spitzte sich dahin zu, daß es keinen Gott gebe,als den Menschen, daß der Mensch sündeloS und zu jedem Genusse auf Erden berech-tigt sey, und daß die Menschheit, als eine Republik von Göttern, sich künftig in dieGenüsse theilen solle.

Die Regierungen merkten endlich, ein wenig spät, daß die unter ihrem beson-deren Schutze zu so großem Aufsehen gelangte Philosophie dem Staate selbst Gefahrdrohe, und lenkten ein. In Preußen bewirkte zugleich die Thronveränderung, daßman sich entschieden für das christliche Princip erklärte, und nicht mehr -augenverdre-hendeS EyIertscheS Hofchristcnthum und Hegelsches Antichristenthum auS einer Taschespielte. Allein das Ministerium Eichhorn konnte beim besten Willen nicht ans ein-mal die ganze Sachlage ändern. Es hatte eine unermeßliche Partei unter den Geist-lichen wie Laien gegen sich, und die frommen Elemente im Volke selbst waren nochnicht so sehr wieder belebt und erstarkt, daß cS den Gegnern nicht hätte gelingenmüssen, die ministerielle Frömmigkeit zu verdächtigen und ihr den Charakter einerVolkssache abzusprechen.

Ueber den politischen Stürmen der letzten Jahre hat man die kirchlichen Bewe-gungen der kurz vorhergegangenen Periode fast schon wieder vergessen. Aber manmuß an sie erinnern, wenn man die Bedeutung der Mission verstehen will. DaSMinisterium wurde verdächtigt, und die entschieden christliche Partei in der Theologieauf alle erdenkliche Weise verhöhnt und insultirt. Dieselbe Meute und Hatz gegenHengstenbcrg in Beilin, wie gegen die Jesuiten in der Schweiz und gegen die from-men Waadtländcr. Es war damals eine Schrcckcnszeit für die kirchliche Partei.Die evangelische Geistlichkeit wetteiferte, ihren Abfall vom alten Glauben offen darzu-legen in Protesten, Adressen, Konferenzen, Beschlüssen von Provincialsynvden undVolksversammlungen.

Auf der Synode zu Magdeburg erklärten am Schlüsse des JahreS 1844 nurdrei Achtzehntheile der anwesenden Geistlichkeit sich »och für unbedingte Geltung derheiligen Schrift, cilf Achtjehnthcile für eine bedingte und vier für das KriteriumdeSin der Kirche lebenden Gottesgeistes." Dieser lebendige Got'eSgeist wurde aber indenHalle 'schen Jahrbüchern" und in den sogenannten Lichtversammlungen einfachalsdas jedesmalige Zeitbewußtseyn" erklärt. Der Magistrat von Berlin hielt einelange Rede an den König, deren kurzer Sinn war, es sey mit dem alten Christen-thumc aus und beginne jetzt die Religion des Zeitbewußtscyns oder deö allein gött-lichen Volksgcistes, der in der Menschheit und ihrer hohen Bildung sich offenbaren-den Vernunft, außer der eS nichts Göttliches gebe und bei der man den alten Gottgänzlich entbehren könne. Es wäre der Mühe wohl werth und sollte von der Missionunternommen werben, einmal allen Unsinn jener Jahre wie in einem Spiegel gedrängtzusammenzutragen, die Verhandlungen und Beschlüsse der Lichtfreunde, Freikirchler undDeulschkarholiken, das Wesentliche der Proteste und Adressen, Leitartikel und Streit-schriften der Otto Wigand'schcn Presse in Leipzig, der Campe'schen in Hamburg , derFröbel'schen in Zürich :c. Die Bewegung war weit ausgedehnt, von Königsberg,wo Rupp für die Protestanten werden wollte, waS Ronge für die Katholiken, biszum Waadtlande, wo Drucy die gläubigen Prediger in Masse absetzte und auS demLande jagte, und Zürich, wo der selige Bürgermeister Hirzel dem großen Rathe feier-lich verkündete: Was in ihrer guten Stadt durch die Reformation unv den großenZwingli erwirkt worden, das sey im Begriffe, noch weit übertroffen zu werden durchden ungleich wichtigeren Fortschritt der Weltgeschichte aus dem Christenthum? heraus