Ausgabe 
11 (9.2.1851) 6
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zur Religion deS ZeitbewußtseynS unter der Bedingung des CultuS deS Genius unddurch den eben nach Zürich berufenen vr. Strauß, mit dem die christliche Aera auf-hören und eine neue beginnen werde.

Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. *)

(Fortsetzung.)

189. Trieb, natürlicher.

Ein Anderes ist freiwillige Beistimmung, ein Anderes dagegen der natürlicheTrieb. Der letztere ist unS gemein mit den unvernünftigen Geschöpfen, und er ver-mag nicht beizustimmen dem Geiste, wenn er von den Reizen deS Fleisches verwirrtwird. Indem wir Venseiben mit den Thieren gemein haben, unterscheidet unS diefreiwillige Beistimmung von denselben. Denn die Beschaffenheit deö Geistes ist freifür sich, so daß sie nicht gezwungen und erpreßt wird. Sie ist Sache des Willens,nicht des Zwanges, und sie versagt und gibt sich Keinem, außer aus freiem Willen.Wird sie gegen ihren Willen gewaltsam angetrieben, so ist eS Gewalt, aber keinWille. Wo aber kein Wille ist, da ist auch keine Zustimmung. Denn eS gibt keineZustimmung, als eine freiwillige: wo also Zustimmung, da ist Wille. Wo aber fernerWille ist, da ist auch Freiheit.

190. Tröstung.

Die Weltmenschen haben einen eiteln Trost am Neberflusse irdischer Dinge: eitelist auch nichts desto weniger die Trostlosigkeit beim Abgange derselben. Aber daSEvangelium, ein Spiegel der Wahrheit, schmeichelt Niemanden, verführt Keinen: alseinen Solchen wird ein Jeder sich in demselben finden, wie er beschaffen ist, so daßer nicht zu zittern braucht, wo keine Furcht ist, aber auch sich nicht freuen kann,wenn er BöseS that.

Vergebens erhebet ihr euch zur Betrachtung der Wohlthaten, welche euch ergötzen,wenn ihr nicht vorher das Licht deS Trostes empfanget über die Verzeihung der Sün-den, welche euch beunruhigen.

Die Kirche trösten nach Zeit und Ort ihrer Wanderschaft zwei Dinge. Ueberdie Vergangenheit tröstet sie das Leiden Christi, wegen der Zukunft der Gedanke andaS Erbtheil der Heiligen und das Vertrauen auf Erlangung desselben. Durch diesebeiden Trostgründe sieht sie gleichsam mit zwei Augen rückwärts und vorwärts, siesind ihr unersättliches Verlangen, ihr Anblick ist äußerst lieblich, und sie sind für sieeine Zufluchtsstätte in Leiden und Schmerzen. Vollständig ist nur jener Trost, dernicht nur weiß, was er erwarten darf, sondern auch, worauf er diese Erwartunggründet. Freudig und unzweifelhaft ist jene Erwartung, die auf Christi Tod gegrün-det ist.

191. Trübsal.

Die gegenwärtige Trübsal ist der Weg zum Leben, der Weg zur Herrlichkeit,der Weg zur Stadt und Wohnung Gottes, der Weg zum Reiche.

Woher wissen wir, daß Gott in der Trübsal mit unS ist? Daraus, daß wirin der Trübsal selbst sind. Denn wer könnte ohne Ihn aushalten, wer könnte ohneIhn bestehen?

Wann aber werden wir bei Ihm seyn? Wann .wir entrückt werden inWolken, dem Herrn entgegen in die Luft, und so immerfort bei.demHerrn seyn werden."

Die Trübsal ist nützlich, welche Bewährung bewirkt und zur Herrlichkeit führt.

') Wir verweisen auf den vorigen Jahrgang.