Ausgabe 
11 (16.2.1851) 7
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noch mehr aber ist es, mit denen friedlich zu seyn, die den Frieden has-sen, und sich den Feinden als Freuud zu beweisen.

Unter denen, mit welchen du lebest, folge den Besseren. In jedem Standeist oft daS Beste mit dem Schlechtesten vermischt.

Willst du Fortschritte machen, so schaue nicht darauf, was Andere BöseS thun,sondern was du Gutes thun willst.

197. Undank.

Eine verderbliche Sache ist der Undank, ein Feind der Gnade, ein Gegner desHeiles. Ich sage euch, daß nach meinem Dafürhalte« nichts so sehr Gott mißfällt,als der Undank. Er verriegelt der Gnade den Eingang, und wo er ist, dort findetsich die Gnade nicht ein. Glücklich aber derjenige, der für jedes Gnadengeschenkdankbar ist! Er bereitet der Gnade einen Platz und verdient immer größere Gnaden.Der Undank allein hindert am meisten uns an den. Fortschreiten in der Tugend.

193. Ungehorsam.

Jesus hat sür Alle gelebt Und ist für Alle gestorben. Wie kann aber Einer fürGott leben, wenn er keine Nächstenliebe hat? Wie kann der für Gott leben, dersein Gesetz nicht erfüllt und sein Gebot nicht beobachtet? Der Gott Ungehorsame lebtnicht sür Gott, er liebt nicht seinen Gott. Des Ungehorsams Mutter ist der Stolz.

199. U n g e st r a f t h e i t.

Die Ungestraftheit ist ein Kind der Sorglosigkeit, die Mutter der Anmassung,die Wurzel der Schamlosigkeit, die Säugamme der Sünden.

Die Sünden der Untergebenen fallen auf Niemanden mehr, als auf träge undnachlässige Vorgesetzte.

200. U n k e u s ch h e i t.

Die Unkeuschheit regiert in Vielen vielfach, welche dem Urheber der Reinigkeitmit unreinem Herzen und Leibe dienen, und nicht fürchten den Engel des Herrn, dersie in Stücke zerhauen und zu Grunde richten wird, sondern cS sogar wagen, daSheilige Fleisch des unbefleckten Lammes zu berühren und ihre ruchlosen Hände zutauchen in daS Blut des Erlösers..... So geht man zu deis Altären, so zumPsalmengesange, da doch das Lob Gottes aus dem Munde eines Solchen verworfenund sein Gebet zur Sünde wird.

Sie gehen mit diesem Schmutz ein in das Heiligthum deS lebendigen GotteSund mit diesem Schmutze wohnen sie dort, den heiligen Tempel Gottes verunreinigend.Ein vielfaches Gericht wird über sie ergehen, weil sie bei solchen Vorwürfendes Gewissens sich eindrangen in das Heiligthum Gottes. Denn Solche besänftigenGoit nicht, sondern erzürnen Ihn, machen Ihn sich abgeneigt, und'ich fürchte, auchDenen: für die sie Ihn gnädig stimmen sollten. O wenn doch Diejenigen, welchesich nicht enthalten können, nicht so verwegen Vollkommenheit geloben würden oderdem ehelosen Stand sich hinzugeben sich scheuen würden! Es wäre ohne Zweifel sürsie besser gewesen, zu heirathen, als Brunst zu leiden, und auf einer niedern Stufedes gläubigen Volkes gerettet zu werden, als aus der Höhe des PriesterthnmS schlechtzu leben und strenger gerichtet zu werden. Deun Viele scheinen ihre Freiheit, in dersie gerufen wurden, zur Gelegenheit der Fleischeslust zu machen, indem sie sich vonder Ehe als Gegenmittel enthalten, und dann in alle Schandthaten ausarten.

201. Untergebene.

ES ist ein Zeichen einer klcinlichtcn und niedrigen Seele, von den Untergebenenkeine Fortschritte zu fordern, sondern nur den eigenen Gewinn zu suchen.