Ausgabe 
11 (2.3.1851) 9
Seite
71
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

71

Personen niederen Standes, auch solche auS den höchsten Ständen, auch Gelehrte(z. B. Friedrich von Schlegel ) waren seine fleißigen Zuhörer. Seine Worte entquol-len einem Herzen, das von Liebe zn Gott und den Menschen, von der Sehnsucht,recht viele Seelen für den Himmel zu gewinnen, erglüht war, und dadurch lag eineFülle göttlicher Kraft in ihnen, welche in der That wunderbar ist. Eine kurze, ganzeinfache Ermahnung ans seinem Muude hatte oft eine erstaunliche Wirkung. ZachariaSWerner erzählt ein merkwürdiges Beispiel hiervon.Ich begegnete einst," so berichteter,einem Trupp junger Leute, die eben auS seiner Wohnung herausgingen und inderen Worten und Mienen sich noch eine heilige Begeisterung auösprach. Da ichglaubte, P. Hoffbauer müsse ihnen einen ganz außerordentlichen Vortrag gehaltenhaben, erkundigte ich mich sehr begierig um den Gegenstand seiner Rede, und waS siedenn so sehr ergriffen und bewegt habe, und man antwortete mir: Er hat uns gesagt,Seyd brav! O Weihe der Kraft!" *)

Wie dem Predigtamte, so lag Hoffbauer nunmehr auch wieder der Verwaltungdes BußgerichtS mit größter Aufopferung ob, und wie eS sich nach dem Gesagtenerwarten läßt, hatte er in kürzester Zeit einen überaus großen Kreis von Beichtkin-dern. Schon um vier Uhr in der Frühe eilte er gewöhnlich in die Kirche der Mechi-taristen, um dort zur Beicht zu sitzen, und um sechs Uhr begab er sich dann nachSt. Ursula, wo wieder zahreiche Pönitenten seiner harrten. Die Anzahl der Commu-nicanten in dieser Kirche mehrte sich mit jedem Jahre und alte Leute pflegten oft zuänßcrn, P. Clemens bringe die gute Zeit der frommen Maria Theresia wieder zurück.

Auch in andern Beziehungen, war P. Hoffbauer thätig. So gründete er imVereine mit mehreren der angesehensten Männer ein Erziehungshauö für Jünglinge,in welchem sehr viele Söhne der ersten Familien eine treffliche Bildung erhielten, biszn dem Zeitpuncte, wo die Jesuiten wieder Eingang in den Kaiserstaat fanden.

(Schluß folgt.) .

Berichte über Missionen.

G e i s e n h e i m.Aus dem Rheing au, 16. Febr. Gestern ist die erste Mission imRhein gau, zu Geisen heim, durch den -hochwürdigsten Bischof von Limburg feierlich eröffnet worden und wird dieselbe, von vier PatreS Nedemptoristen geleitet,durch zehn Tage hindurch währen. Wenn wir uns erinnerten an alles DaS, waöwir in jüngster Zeit über den Verfall des Glaubens und der Sittlichkeit im Rheingaugelesen und gehört hatten, so konnten wir uns in der That der Bcsorgniß nicht ganzentschlagen, es möchten die Missionspriester und ihr heiliges Werk in dieser Gegendnicht die freundlichste Aufnahme finden. Der gestrige Tag hat uns eines Andernbelehrt, hat uns die Ueberzeugung gebracht, daß die überwiegende Mehrheit derBevölkerung des alten katholischen Rheingaueö dem Glauben der heiligen Kirche, demGlauben, welchen ihre Vorfahren in allen Wechselfällen, in allen Stürmen der Zeitenals ihr theuerstes Kleinod zu schütz-n und zu bewahren gewußt, noch treu uud warmergeben ist, und daß, wenn auch immerhiu manche, und vielleicht große sittlicheGebrechen hier, wie in andern Gegenden, im Gesolge namentlich der traurigen Erruu-genschaften des Jahreö 1848 zu Tage getreten sind, dennoch daS katholische Rhein-gau weit besser ist, als sein Ruf, daß nur ein kleines Häuflein glau-bensloser und sittlich verkommener Schreier il»n seinen alten, wohlbegründeten Ruhmwahrer Glaubenstreue und lebendiger Religiosität geraubt hat. Schon bei ihrem Ein-treffen dahicr in Geisenhcim wurden die vier Missiouärc mit Böllerschüssen und untergroßem Jubel am Rheine empfangen und in die Kirche geleitet, und zu der gestrigenEröffnungsfeier der Mission kamen die Gläubigen der Umgegend in großen Processionenschon in der Frühe in solcher Zahl herangezogen, daß die herrliche, geräumige Kirche

') So mitgetheilt bei Pööl S. 03.