Ausgabe 
11 (2.3.1851) 9
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in allen Theilen überfüllt war. Man schätzt die Anwesende» auf 70008000. Eineaus dem innersten Herzen hervorströmende, ergreifende Rede des Herrn Bischofs,in welcher er, ausgehend von den Worten des Heilandes:Kommet zu mir Alle'die Gläubigen einlud, dem Rufe Gottes in der MisfionSzcit das Ohr zu öffnen undFolge zn leisten, bezeichnete den Ansang der Mission. Unmittelbar daran reihte sichdie Einleitungsrede des Superiorö der Missionäre und am Nachmittag und Abendhörten wir die beiden ersten eigentlichen Missionsvorträge, die von den dichtgedrängtenSchaaren mit der größten Ruhe und Aufmerksamkeit aufgeuommeu wurden und so weitwir bis jetzt in Erfahrung bringen konnten, bei Allen das höchste Interesse gewecktund Alle für die Mission begeistert haben. Der Herr, der alles Guten, Geber ist,segne das heilige Werk dahier, wie an andern Orten, damit der Glaube, der allerWühlereien ungeachtet noch so tief im Herzen der katholischen Rheingauer wurzelt,wieder recht lebendig aufblühe und das Rheingau wiederum vor Gott und den Men-schen Das werde, was es bis auf die letzten Jahrzehnte herab war, eine starke FestedeS katholischen Glaubens und der wahrhaft christlichen Zucht und heiligen Sitte, einePerle in der Mitra seines geistlichen Oberhirten wie in der Krone seines Fürsten I(Rhein . Bl.)

Weingarten.RavenSburg , 24. Febr. Gestern Nachmittag, Sonntag den 33., ging dieMissionsfeier in Weingarten zu Ende, und war während ihrer ganzen vier-zehntägigen Dauer von dem herrlichsten Wetter begünstigt, was wohl auch sehr vielzu dem außerordentlich zahlreichen Besuche derselben, sogar von weiter Ferne her,beigetragen haben mag. Die weiten Räume der herrlichen Kirche waren Tag fürTag mit wenigstens 6 bis 7000 Menschen angefüllt, und frommer Sinn, religiöseStimmung und Andacht gab sich durchgängig bei diesen feierlichen Versammlungenkund. Auch die tägliche Theilnahme vieler Protestanten läßt vermuthen, daß sie vielAnziehendes und Ansprechendes in den verschiedenen Missionspredigten gefunden habenmögen. Die gehaltreiche, von Herrn Roder gehaltene Schlußrede wurde wegen derallzugroßen Menge der Znhörer in dem sehr geräumigen Klosterhofe gehalten, uud eshatten sich dabei wohl 1314,000 Menschen eingcfunden, bei welcher Gelegenheitzum Andenken an diese Mission das MisstonSkreuz unter allgemeiner Rührung feier-lichst eingeweiht wurde. Da eiucr der Herren Missionäre wegen fortdauernder Kränk-lichkeit nicht predigen konnte, und die Herren Roder und Schlosser daher die ganzeMission zu besorgen hatten, so muß man gestehen, daß ihre Anstrengung groß gewesenseyn muß, da täglich drei Predigten gehalten wurden, deren jede etwa l'/a Stundendauerte, worauf sie sich erst noch mit Beichthören beschäftigten, worin sie jedoch vonden vielen Geistlichen der Umgegend, deren öfters 40 bis 50 gegenwärtig waren,bedeutend unterstützt wurden. Letzten Dienstag kam der hochw. Bischos von St. Gallen in Weingarten an, und am Samstag Abends auch der hochw. Bischof von Rotten-burg , um dem Schlüsse der Mission beizuwohnen. Die Anwesenheit und Theilnahmezweier Bischöfe an dieser Mission trug nicht wenig zur Erhebung und Erbauung derGemüther bei. In Weingarten , wie früher anderwärts, hielten die Predigten sichrein auf religiösem Gebiete, und waren für Niemand verletzend, welcher Religion erauch angehören mochte. Am ansprechendsten waren die allgemeiner gehaltenen Reden,worin die vorherrschenden Fehler unserer Zeit grell beleuchtet und unnachstchtlich geta-delt wurden. Ohne Zweifel werden die in diesen Predigten mit einem Eifer, derwirklich von innerer Mission zeugte, vorgetragenen Wahrheiten einen lange dauerndenEindruck in den Herzen der vielen Tausende von Gläubigen zurückgelassen haben,und Herr Roder bekannte, gerührt von dem so unverdrossen ausdauernden Eifer seinerzahlreichen Zuhörer, in seiner Schlußrede, daß ihm noch nie eine solche Menge andäch-tiger Hörer des göttlichen Worts auf seinen MissionSreisen vorgekommen sey, wie inWeingarten , im katholischen Oberlande. (Schwäb. M.)

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

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