Eilfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger PsjMtung.
9. März M- KO. 2851.
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Aus dem Leben des ersten deutschen Redemptoristen .
(Schluß.)
Neben diesen beiden Kreisen der gesegnetsten Thätigkeit bildete sich Hoffbauernoch einen dritten besonderen, wir möchten sagen, einen Familienkreis. Gott hatteihm die Gabe, junge Leute an sich zu ziehen und deren Vertrauen zu gewinnen, inhohem Grade verliehen; und so sammelten sich nach und nach sehr viele Jünglingeund Männer um ihn, die ihm mit der kindlichsten Liebe und Verehrung anhingen.Namentlich in den Abendstunden sah man sie in die kleine Wohnung des Seligenströmen, Studirende aller Fächer, Künstler, Soldaten, Handwerker und Beamte, undes war rührend zu beobachten, mit welch' selbstvergessener Hingebung und Freundlich-keit er sie alle ausnahm, wie er sie zur Liebe des Herrn, zur Verehrung Mariä, zurUebung einer wahrhaft praktischen Frömmigkeit anleitete. Zacharias Werner , damalsschon Priester, war einer der Vorzüglichsten in diesem Kreise; seine Verehrung fürHoffbauer ging so weit, daß er keinen Anstand nahm, öffentlich auf der Kanzel beiGelegenheit zu erklären: Jener sey ein Mann, dessen Schuhriemen aufzulösen er nichtwürdig sey.
Es scheint, daß sich in dieser Zeit auch einige der zersprengten Glieder derKongregation in Wien wieder sammelten; das Schriftchen von Pösl läßt unS hier-über im Dunkeln, berichtet aber, daß P. Hoffbauer im Jahre 1815 vier Indivi-duen aus der Versammlung auf die Bitten deS Bischof Erkolani von Nicopolisin die Bulgarei gesandt habe, die jedoch nach einigen Jahren wieder zurückberufenwerden mußten.
Das Jahr 1818 brachte dem Diener Gottes eine überaus große Tröstung, eswar die Wiedereröffnung eines CollegiumS in der Schweiz . Die Priester der Ver-sammlung, die seither auf verschiedenen Seelsorgposten zerstreut gewirkt, erhielten vondem Staatsrathe zu Freiburg die Aufnahme in den Kanton und ein verlassenesKlostergebäude zur Wohnung. Später siedelten sie in das alte Seminar in der StadtFreiburg über und bald mehrte sich hier wieder die Gemeinde.
Dieser Freude folgte sofort eine neue Prüfung für Hoffbauer; der Herr wollte ihnimmer mehr noch läutern und zeitigen für den Heimgang in die Ewigkeit und zugleichaus dorniger Hülle endlich die Frucht hervorblühen lassen, welcher der Selige ohneUnterlaß entgegensehnte.
Der Zusammenfluß so vieler Personen bei Hoffbauer hatte die Aufmerksamkeitder Polizei erregt; plötzlich erfuhr man, daß er Mitglied einer auswärtigen geistlichenCorporation sey. Da erschien denn ganz unerwartet eine Commission in seinerWohnung; seine Schubladen und Schränke wurden durchsucht, seine Briefe undPapiere in Beschlag genommen und er selbst einem dreistündigen Verhöre unterworfen.Man stellte ihm schließlich die Alternative, entweder seinem Orden zu entsagen, oder