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Oesterreich zu verlassen. Hoffbauer wählte unbedingt das Letztere und mußte darübersogleich einen schriftlichen Revers unterzeichnen. Nach Beendigung dieser Procedurfragte Hoffbauer die beiden Commissäre, ob noch etwas Weiteres zu thun sey. Aufdie verneinende Antwort sagte er mit erschütterndem Ernste: EineS ist noch übrig! —Was denn? fragte Einer von Jenen. — Hoffbauer wies mit dem Finger gen Him-mel mit den Worten: Das jüngste Gericht!
Wir erlauben uns hier kein Urtheil über die persönliche Stimmung der beidenEommissäre, deren Namen unser Auctor wohl aus Schonung verschwiegen hat;auffaltend bleibt es übrigens jedenfalls, daß beide kurze Zeit nach dem erwähntenVorgange am Schlage starben.
Das Resultat der Untersuchung war, daß unserm Vater Clemens alsbald einNegierungsbeschluß zukam, worin ihm auferlegt wurde, er solle die Verbindung mitseiner Cougregation feierlich aufgeben, oder binnen einer gesetzten Frist die Kaiserstaa-ten verlassen.
So der Beschluß der Regierung; — anders aber war eS im Rathe der Vor-sehung beschlossen.
Baron Penkler bewies sich auch in diesem Momente als treuen Freund Hoff-bauers z er eilte ungesäumt zum Erzbischofe uud berichtete ihm das Geschehene.Dieser, der den Seligen aufrichtig liebte unv seine hohen Tugenden zu schätzen wußie,begab sich hierauf zum Kaiser, welcher gerade im Begriffe war, eine Reise nach Ita-lien anzutreten. Mit aller Wärme sprach der würdige Fürsterzbischof hier für Hoff-bauer und bat, demselben wenigstens bis zur Rückkehr des Kaisers den Aufenthalt inWien zu gestatten. „Wenn jener weggeht," äußerte sich der Prälat, „so verliere ichmeinen besten Priester!" — DaS nächste Resultat dieser gewichtvollen Verwendungwar, daß Hoffbauer vorläufig bleiben durfte. Nach der Rückkehr des Kaisers nahmder Fürstbischof die Sache wieder auf; er fand den Kaiser in sehr guter Stimmungfür unsern P. Clemens, da der heilige Vater ihn zu Rom gelegentlich darauf auf-merksam gemacht, welchen apostolischen Mann er an jenem in seiner Hauptstadtbesitze; und so war nicht nur das Bleiben desselben alsbald gesichert, sondern überdießäußerte Kaiser Franz in seiner bekannten Herzensgüte seinen Schmerz über die krän-kende Behandlung, die Hossbauer erlitten und den Wunsch, ihm eine Gnade zuerweisen.
In dieser wohlwollenden Stimmung des Kaisers glaubte Hoffbauer einen WinkGottes erkennen zu sollen. Der Augenblick schien ihm gekommen, um seinen innigstenWunsch, die Einführung der Congregation in Wien , zu realisiren. Nach reiflicherErwägung und nach mehrfacher Rücksprache mit hochgestellten und einflußreichen Män-nern, unter welchen wir den damaligen Burgpfarrer Jakob Friut, später Bischofvon St. Polten , und den kaiserlichen Hofcaplan Darnaut namhaft machen, reichteHoffbauer am 29. October 1819 ein Promemoria in diesem Betreff bei dem Kaiserein, und fügte zugleich eine deutsche Uebersetzung der Regeln der Congregation bei.Der Kaiser nahm dieses huldvoll entgegen und gab seine vorläufige Einwilligungzur Gründung eines Kollegiums der Redemptoristen in Wien , Er beauftragte dem-gemäß den genannten Darnaut, einen deßfallsigen Entwurf zu machen. Diesen gaber nachher dem Herrn Frinl zur weitern Ausarbeitung mit dem Befehle, ihn nachVollendung dem Fürsterzbifchofe zur Begutachtung und demnächstigcn Vorlage an ihn(den Kaiser) zu übermitteln.
So stand denn unser trefflicher Vater Clemens wider alles menschliche Erwartenmit einemmale dem Ziele nahe, daS er sich bei dem Eintritt in den Priesterstand mitbesonderer Vorliebe gesteckt, — noch näher aber stand er einem andern Ziele, demseiner irdischen Laufbahn; die Zeit war gekommen, wo der treue Diener eingehensollte in die Freude seines Herrn. Nachdem er gleich Moses von der Bergeshöhe mitinniger Freude hinüber geschaut in das gelobte Land seiner sehnlichsten Wünsche,
') Vergl. Pvöl S. 73.